Wanderung entlang des Rheinsteig von Rüdesheim nach Lorch
notiert von Hotti

1. Juni 2014


Vor einigen Jahren hatten die Streetmillboys das lange Projekt, den Rheinsteig von Wiesbaden nach Bonn zu wandern. Ziel war es gewesen, dass wir bis 2011 am Ziel angekommen sein sollten.

Bereits im Laufe der Wanderungen bis nach Koblenz hatte sich gezeigt, dass dieses Vorhaben nicht ganz so einfach war, wie die Vorstellung. Bis Koblenz war es ja noch relativ einfach, denn man konnte die Etappen relativ bequem mit der Bahn erreichen.

Da aber die Zeit zum Erreichen eines Ausgangspunktes auch bei uns eine große Rolle spielt, war dieses Projekt schließlich mit Erreichen von Koblenz gestorben.

Dies hält uns aber nicht davon ab, die ein oder andere Etappe noch einmal zu Wandern.

Diesmal war die Etappe von Rüdesheim nach Lorch dran.

Hierfür hatten wir uns zunächst am Wiesbadener Hauptbahnhof getroffen. Zumindest der Großteil der Teilnehmer. Einer unserer Wanderer war bereits im entsprechenden Zug und wie es der Zufall wollte, stiegen wir genau dort ein, wo er saß.

Im Laufe unserer Fahrt nach Rüdesheim füllte sich die Bahn an jeder Station, so dass die Fahrt einer Reise in einer Sardinenbüchse ähnelte.

Mit uns stiegen in Rüdesheim viele aus. Hier erwartete uns der letzte Wanderer. Auf die obligatorische Ansprache zur Begrüßung verzichtete ich zunächst und rasch machten wir uns auf den Weg durch die Drosselgasse hin zur Talstation der Seilbahn.

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Es dauerte eine Weile bis wir unsere Fahrkarten erwerben konnten, denn die Frau Kassiererin führte erst einmal ein Telefonat. Nachdem sie aufgelegt hatte ging es los - wir konnten unsere Fahrkarten kaufen.

Um kurz nach zehn war noch nicht viel los, so dass wir direkt in die Kabinchen steigen und dem Niederwalddenkmal entgegen schweben konnten.

Ich finde dieses Gefühl immer wieder aufs neue genial, mit dieser Bahn zu fahren und von einem Moment auf den anderen in einer Stille zu sein. Erst der Trubel in Rüdesheim und dann wird es ganz ruhig und man gleitet hinauf.

Nach einer etwa zehnminütigen Fahrt entstiegen wir der Bahn und nun gab auch die Begrüßung, die mit einigen wenigen Sätzen doch recht knapp ausfiel - aber wir waren ja nicht nach hier oben geschwebt um uns Vorträge anzuhören, sondern um zu Wandern.

Zunächst stand die Besichtigung des Niederwalddenkmals auf dem Programm. Meine Güte, wie oft war ich schon hier oben gewesen, allerdings seit einigen Jahren wohl nicht mehr, denn es hatte sich inzwischen viel verändert. Nicht nur, dass das Denkmal restauriert war, auch die Wege waren neu und auch der Parkplatz hatte nun eine, sagen wir mal, zeitgemäße Form.

Durch die Fahrt mit der Seilbahn waren uns einige anstrengende Kilometer hinauf erspart geblieben. Nun konnten wir hoch über dem Rhein hinüber zum Jagdschloß Niederwald wandern. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, den ein oder anderen Aussichtspunkt zu genießen.

Dieser Spaziergang dauerte etwa eine halbe Stunde - normalerweise geht es auch ein bisschen schneller, aber wenn man was sehen will, sollte man ein paar Minuten mehr einkalkulieren.

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Für mich kam nun der Abschnitt, vor dem ich mich bei dieser Wanderung am meisten fürchtete! Uns stand die Abfahrt mit dem Sessellift hinunter nach Assmannshausen bevor. Da ich den Ansatz zur Höhenangst habe, fiel mir dies schon schwer. Am Anfang ging es ja noch, aber als es dann so richtig steil hinab ging, da war mir dann nicht mehr wirklich so wohl. Am Sessel festklammern ging auch nicht, denn ich musste ja auch noch meinen Rucksack halten. Nach oben hätte ich das kleinere Problem gehabt.

Aber gut, nach 15 Minuten war der Spuk vorbei und wir hatten wieder festen Boden unter den Wanderschuhen.

Eigentlich hätten wir den entspannten Teil diesen Tages fortsetzen können. Sich ein Eis holen, dieses am Rhein genießen, irgendwo in Assmannshausen schön zu Mittag essen, dann in ein Schiff steigen, dass uns zurück nach Rüdesheim gebracht hätte.

Nein, das wäre dann wohl eine andere Veranstaltung. Mussten wir damals noch den richtigen Weg suchen, so war es diesmal sehr viel einfacher, denn einer unserer Teilnehmer war diese Etappe bereits in diesem Jahr gewandert. Hinzu kam die Erinnerung, dass es rasch recht hoch gehen würde.

Außerdem fanden wir diesmal die Beschilderung, was unserer Wanderung an dieser Stelle insgesamt einen großen Vorteil bescherte.

Ab in die Weinberge und auf auf hinauf! Ohne größere Schwierigkeiten fanden wir alle Hinweisschilder und somit den richtigen Weg nach Lorch.

Insgesamt war dieser Streckenabschnitt wenig spektakulär, mal abgesehen von einer kurzen Passage, die mit einer Seilsicherung versehen war und man über einige Felsen steigen musste.

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In diesem Streckenabschnitt hatten wir auch beschlossen, unsere Brotzeit zu verzehren.

Einen Moment lang zweifelte ich an mir selbst, als eine Gruppe Wanderer an uns vorbei zog, denn in dieser Gruppe gab es einige Sehbehinderte, die von ihren Begleitern geführt und dirigiert wurden.

Ich fand es schon sehr gewagt, solch einen Abschnitt, auf dem selbst ein normal sehender teilweise schon Probleme hat, ohne Augenlicht zu erwandern. Hut ab vor diesem Mut und hoffentlich sind alle heil angekommen, denn die Gruppe hatte jetzt erst den schlimmsten Abschnitt vor sich und ich wollte nicht in der Rolle eines Begleiters sein, zumal mir aufgefallen war, dass die Gruppe bereits an dieser einfachen Stelle bereits recht unsicher und mit Problemen vorwärts gekommen war.

In meiner gesamten Wandervergangenheit hatte ich dies noch nicht erlebt.

Zwischendurch hörten wir in der Ferne die Feuersirene und irgendwann ein Polizeiauto mit seinem Martinshorn.

Wenig später erfuhren wir durch Zufall von zwei älteren Damen, dass es in Lorch einen schweren Motoradunfall gegeben hatte. Von ganz weit weg sahen wir da auch auf der Bundesstraße am Rhein die Blaulichter. Was dort passiert war sollten wir später noch erfahren.

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Einige Kilometer vor Lorch standen wir gerade an einer tollen Stelle mit genialem Blick ins Rheintal als die ersten Regentropfen herab prasselten. Sicher nur ein kurzer Schauer, wie ihn die Wettervorhersage vorher gesagt hatte.

Tatsächlich hörte es auch kurze Zeit später wieder auf. Der Gedanke, sich in der Schutzhütte unterzustellen war damit auch wieder gestorben.

Pünktlich mit Erreichen einer weiteren Schutzhütte setzte der Regen erneut ein, so dass wir an dieser Stelle beschlossen, einen Moment in der eben erwähnten Hütte zu verweilen. Was für ein Zufall, dass wir ausgerechnet jetzt dort angekommen waren.

Dumm war nur, dass diese Schutzhütte alles andere als darauf ausgelegt war, vor Regen zu schützen, denn mehr und mehr regnete es durch die Löcher.

Irgendwann gaben wir auf und entschieden weiter zu wandern. Allzu weit war unser Ziel ohnehin nicht mehr entfernt und der Regen hatte nun auch wieder nachgelassen.

In Lorch angekommen regnete es sogar gar nicht mehr.

Zwischenzeitlich hatten wir entschieden, den Abschluss spontan im Weingut eines Bekannten unserer Wandergruppe zu machen. Zunächst fiel die Entscheidung, dass wir uns in der Stube einen Platz suchen wollten. Hätten wir auch bekommen, wäre es da drinnen nicht so laut und so heiß gewesen. So kam es, dass selbst die größten Gegner des draußen Bleibens nun doch dafür waren, draußen zu sitzen.

Sollte es regnen wäre es gar kein Problem, schließlich saßen wir alle unter einem Schirm, und dieser sah aus, als wäre er dicht.

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Michael hatte schon mal die Bedienung gefragt ob der Chef da sei und sie sagte, dass sie mal schauen wolle.

Bei leckerem Essen und gutem Wein ließen wir es uns gutgehen und sogar der Chef war aufgetaucht. Nicht weil die Bedienung ihn heraus gerufen hatte, nein - es war eher ein zufälliges Treffen.

Etwas schwieriger gestaltete sich das Bezahlen, denn durch den Regen bedingt hatte die Bedienung in der Gaststube plötzlich enorm viel zu tun und wir sahen sie immer nur rasch drinnen vorbei sausen, ohne dass sie unserem Tisch einen Blick würdigte.

Dadurch bedingt kamen wir dann auch etwas später los und eilten flotten Schrittes zum Bahnhof.

Hätten wir gar nicht gemusst, denn die Bahn hatte fünf Minuten Verspätung. Wie gehofft war die Bahn noch nicht so voll, so dass wir ohne Mühe einen Sitzplatz bekamen und sogar entgegen aller Vermutungen wurde der Zug auch in Rüdesheim nicht so voll, als dass wir die Fahrt von hier an mit der Fahrt in der Sardinenbüchse am Morgen vergleichen konnten.

In Rüdesheim hatte sich nun der erste Wanderer wieder von uns verabschiedet, mit dem Abschied ging es dann in Wiesbaden weiter, wo wir zweien, die noch weiter mit dem Zug Richtung Frankfurt fahren mussten, Auf Wiedersehen sagten.

Da waren wir noch drei, die nun auch auseinander gingen, mit vielen Eindrücken eines schönen Tages, einer schönen Wanderstrecke und einer gelungenen Abschlusseinkehr.

Wanderleitung: Hotti

Bericht und Bilder: Hotti