Wanderung von Emmelshausen nach St. Goar
notiert von Hotti

28. April 2013


Wie bei den meisten Wanderungen stand auch diesmal die Frage des Wetters im Vordergrund. Auch diesmal war, wie bereits öfter, Regen angesagt. In der Woche schaute ich immer wieder in die Vorhersage, war am Freitag vor der Wanderung sogar fast dazu bereit, diese wegen angsagten Dauerregens abzusagen.

Ich tat es nicht, nahm meinen ganzen Mut zusammen, stellte mich schon darauf ein, den Sonntag entweder in Regenhose und Regenjacke zu verbringen.

Sonntagmorgen sah die Welt schon ganz anders aus. Aus den Vorhersagen war der Regen verschwunden - es sollte lediglich frisch sein. Regen stand nur noch ganz vereinzelt zur Debatte.

Um ehrlich zu sein, mittlerweile hasse ich es, mir vor jeder Wanderung immer wieder aufs neue Gedanken um das Wetter machen zu müssen - regnet es - schneit es - ist mit Glatteis zu rechnen...

Kann es denn nicht an unseren Wandersonntagen einfach nur schön beziehungsweise trocken sein!

Na gut, Jammern hilft nichts. Es kann eh keiner ändern.

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Zurück zur Wanderung. Am ersten Treffpunkt am Wiesbadener Hauptbahnhof waren wir zu fünft. Unsere erste Etappe war eine Fahrt mit der S-Bahn von Wiesbaden hinüber nach Mainz.

Hier warteten wir auf die letzten vier Teilnehmer, die uns in Mainz treffen wollten.

Mit meinem eingebauten Verspätungspuffer war Treffpunkt um viertel nach zehn. Dies war auch der Zeitpunkt, dass wir uns Gedanken machten. Ein Teilnehmer fehlte noch. Dieser wollte eigentlich bereits rechtzeitig mit der Bahn angereist sein - doch er war nicht da. Fünf Minuten später sahen wir ihn in der Ferne heran schlendern. Er hatte vorher auf den Fahrplan geschaut und gesehen, dass unsere Bahn erst um halb elf fahren würde und dachte, er könne sich Zeit lassen.

Theoretisch war dies ja nicht verkehrt, aber praktisch habe ich dann doch meine Gruppe lieber rechtzeitig zusammen und sitze bequem im Zug. Aber - es passte ja noch alles.

Pünktlich fuhr die Mittelrheinbahn Richtung Boppard, wo wir pünktlich ankamen. Während der Fahrt staunten wir nicht schlecht, wie viele Wanderer sich bei diesem Wetter auf den Weg gemacht hatten. Der Zug war richtig voll geworden. Ich dachte noch, hoffentlich wollen die nicht alle auch nach Emmelshausen - das würde bestimmt ein Spaß werden.

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In Boppard stand unser Anschlusszug nach Emmelshausen bereits bereit. Wir mussten nur noch das Gleis wechseln und waren erstaunt darüber, dass der Zug ratzeputz leer war. Keine Fahrradfahrer, wie wir es bei der Vorwanderung erlebt hatten, einige wenige Personen, freie Platzwahl.

Wir durften jetzt eine Fahrt über die steilste Eisenbahnstrecke nördlich der Alpen erleben und waren alle sehr angetan von dieser Fahrt. Schade, dass die Scheiben so spiegelten, so dass die Fotos nicht wirklich sehr gelungen wurden. Da wünscht man sich doch die Wagen von früher wieder, wo man die Fenster öffnen konnte.

Nach 25 Minuten Fahrt hatten wir Emmelshausen erreicht. Hier erlebten wir den Kälteschock! Es war richtig kalt hier oben. Die obligatorische Begrüßung fiel entsprechend kurz aus. Lieber wollten wir rasch loswandern.

Der erste Teil der Strecke ging zunächst ein wenig durch Emmelshausen, doch schon wenig später bogen wir von der Hauptstraße rechts ab und der Waldabschnitt startete.

Hier war die Natur noch Natur. Fast niemand war unterwegs - wir konnten die Natur genießen.

Eine halbe Stunde später hatten wir dann das Dörfchen Dörth erreicht, welches wir in 10 Minuten durchquert hatten. Es folgte die Überquerung der Autobahn 61, und schon bald tauchten wir in den Wald ein. Mehr oder weniger eben wanderten wir in Richtung des Gründelbachtals. Bevor wir dort ankamen stand erst einmal eine Rast auf dem Programm. Direkt an der Landesstraße nach Hungenroth lud eine Tischgruppe zum kurzen Verweilen ein. Wenn man nicht so genau Acht gegeben hatte, merkte man nicht, dass der Rastplatz direkt an einer Autostraße lag und wunderte sich darüber, dass immer mal wieder Autos und Motorräder des Weges gefahren kamen.

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Fünfundzwanzig Minuten später ging es weiter. Wir näherten uns dem Gründelbachtal immer mehr, doch mussten wir zunächst einmal stetig nach unten wandern. Gegen drei und nach zehn Kilometern schließlich war es soweit! Wir hatten das traumhaft schöne Gründelbachtal erreicht. Erst einmal mussten wir ein paar Meter an einer wenig befahrenen Straße laufen - es war die Straße, an der wir vor anderthalb Stunden weiter oben Rast gemacht hatten.

Jetzt hatten wir das wildromantische Gründelbachtal erreicht, dem wir nun für 3 Kilometer folgen konnten. Ich hatte mir den Weg sehr viel matschiger vorgestellt und war sehr angenehm überrascht, dass der Matsch sich doch in Grenzen hielt.

Kurz vor St. Goar trübte das Wohlfühlgefühl der Wandergemeinschaft etwas ein, sollte es nun nach oben gehen! Wir standen bei Kilometer 14,3 und einer Höhe von 112 Metern und mussten nun auf die Höhe von 184 Metern und dies innerhalb von 400 Metern. Hört sich erst mal nicht sehr aufregend an, doch wenn man den Weg vor sich hat und hinauf steigt, dann weiß man anschließend, wie anstrengend eine eben genannte Strecke doch sein kann.

Nach einer kurzen Verschnaufpause wanderten wir zur Burg Rheinfels herunter. Eine kurze Nachfrage ergab, dass keiner der Wanderer einen Blick ins Burginnere werfen wollte, so dass wir rasch weiter wanderten und kurze Zeit später einen traumhaften Blick ins Rheintal hatten.

Wer nun die berechtigte Frage stellt, weshalb wir aus dem Tal heraus zu einer Burg hinauf steigen - um diese dann nicht zu besuchen - sondern auf der anderen Seite einfach nur wieder fade herunter steigen - dem sei erklärt, dass dies eindeutig der schönere Weg war. Bei unserer Vorwanderung waren wir eine ebene tiefer gewandert und fanden es überhaupt nicht schön, zumal es uns so vorkam, als hätten wir die Burgmauer übersteigen müssen. Dem Weg bei der Vorwanderung weiter gefolgt mussten wir damals zwar nicht so weit hinauf, doch hatten wir schließlich ein langes Stück entlang der Hauptstraße und fanden dies überhaupt nicht mehr schön, so dass die Alternative über den Burgweg wirklich der schönere Weg war. Zumal wir nun beim Herab gehen immer wieder einen faszinierenden Blick auf St. Goar und den Rhein hatten.

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In der Fußgängerzone von St. Goar hatten wir nun eine kleine Diskussion darüber, wo wir unsere Abschlusseinkehr machen wollten. Mein bevorzugter Ort zur Abschlusseinkehr war in St. Goarshausen. Hierzu war es notwendig, mit der Fähre überzusetzen. Dieser Fährausflug hatte den Vorteil, dass den Wiesbadener Teilnehmern eine Wartezeit am Mainzer Hauptbahnhof von 30 Minuten erspart sein würde. Dazu sollten wir auf der rechtsrheinischen Bahnstrecke nach Wiesbaden zurück fahren.

Die Mehrheit schloss sich meinem Vorschlag an, so dass wir rasch zur Fähre eilten, die gerade im Begriff war, in St. Goar anzulegen. Mit dem von uns genutzten Rheinland - Pfalz - Ticket war die Überfahrt sogar kostenlos. Bereits nach etwa drei Minuten hatten wir St. Goarshausen erreicht. Eine Einigung, ob wir nun herzhaftes Essen sollten oder lieber zu Kaffee und Kuchen zusammen sitzen wollten ging so aus, dass sich die Gruppe teilte. Nicht gerade üblich für eine Abschlusseinkehr der Streetmillboys, gehört die gemeinsame Abschlusseinkehr in der Regel doch zum festen Bestandteil einer Streetmillboys - Wanderung.

Na gut, heute also nicht. Ich gehörte zur herzhaften Gruppe. Wir fanden schnell ein nettes Lokal, bekamen einen schönen Platz und hatten - bevor wir uns hingesetzt hatten - auch abgeklärt, ob wir rechtzeitig die Bahn erreichen würden. Die ausgesprochen freundliche Bedienung sagte uns zu, dass dies klappen würde, setzte allerdings voraus, dass wir kein Spezialgericht wie Känguru auswählen würden. Ging klar, keiner wollte es - alle entschieden sich für etwas einfaches. Dies kam schnell und war gut. Hier stimmte das Preis-/ Leistungsverhältnis und die Schnelligkeit passte obendrein.

Kurz vor achtzehn Uhr kam die Bedienung mit der Rechnung und kassierte, so dass wir kurz darauf mit vollen Mägen das Gasthaus verlassen konnten.

Der Weg zum Bahnhof war nicht weit - die Kaffeetrinker standen schon bereit.

Oh nein - wie peinlich war nun das, was ich nun eingestehen musste. Ich hatte darum gebeten, dass wir uns um zehn nach sechs am Bahnhof treffen sollten, da der Zug um 18:18 Uhr fahren sollte. Doch das war falsch. Die Bahn fuhr erst um 18:28 Uhr - und so etwas passiert mir, der sonst die Abfahrtzeiten immer sehr genau im Blick hat. Echt peinlich - erst die Diskussion in St. Goar und dann noch eine falsche Abfahrtszeit.

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Zumindest war der Zug pünktlich und hatte im Gegensatz zur Mittelrheinbahn, die linksrheinisch fährt, den Vorteil, dass wir noch gut einen Sitzplatz bekommen hatten.

Wir waren gerade eingestiegen da wurden wir auch schon vom Schaffner begrüßt. Ein kurzes Gespräch, er verpasste den Fahrkarten noch einen Stempel und schon zog er weiter um die nächsten Gäste persönlich zu begrüßen.

Die Fahrt nach Wiesbaden verging wie im Flug - die Bahn hatte sich von Bahnhof zu Bahnhof immer mehr gefüllt.

Pünktlich waren wir in Wiesbaden eingetroffen, der erste Abschied stand bevor. Unsere Mainzer Wanderer hatten nun noch die Überfahrt nach Mainz, verbunden mit einer kurzen Wartezeit. Ihre Bahn kam auch schon eingefahren - zehn Minuten später hatten auch sie ihren Endbahnhof erreicht.

Hinter uns lag ein wunderschöner Wandertag - wenn auch mit kleinen Diskussionen, die letztendlich der Stimmung aber keinen großen Abbruch taten.

Wer also relativ einsam Wandern mag, der ist mit dieser Wanderung sehr gut bedient. Uns sind auf der gesamten Strecke nur wenige begegnet. Einzig etwas dumm ist die Abfahrtzeit der Bahn nach Emmelshausen, die am Wochenende nicht so häufig fährt. Wir hatten zwar eine gute Verbindung von Mainz aus, jedoch blieb unter dem Strich für die 15,5 Kilometer lange Wanderung relativ wenig Zeit übrig, wenn man nicht so spät nach Hause kommen mag. Es hätte auch keinen Unterschied gemacht, wären wir mit dem Auto nach St. Goar gefahren, denn auch so hätte die Autofahrt 1 Stunde gedauert und wir hätten noch früher los gemusst.

Alternativ wäre ein Treffen um halb acht in Wiesbaden und um viertel nach acht in Mainz gewesen, dann hätten wir eine Stunde früher zur Wanderung aufbrechen können. Doch wer will an einem Sonntag so früh aufstehen, dass er um halb acht am Bahnhof steht?

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Wanderleitung: Hotti

Bericht und Bilder: Hotti