Regenwanderung am Donnersberg
von Winnweiler nach Rockenhausen
notiert von Hotti

14. Oktober 2012


Ein besonders hartes Schicksal hatte die elf Wanderer ereilt, die sich für die Teilnahme an der Wanderung am Donnersberg entschieden hatten.

Zugegeben, die Wetterprognose war alles andere als gut. Jeder Metrologie sagte in seiner Vorhersage, man möge den Sonntag dazu nutzen, zu Hause auf der Couch zu kuscheln.

Morgens war die Welt auch noch soweit in Ordnung. Sonne und Wolken hatten sich abgewechselt, doch dies änderte sich im Laufe der Wanderung.

Der erste Treffpunkt am Wiesbadener Hauptbahnhof hatte diesmal nicht viel Zuspruch gefunden. Lediglich zu zweit waren wir auf der Fahrt von Wiesbaden hinüber nach Mainz.

In Mainz trafen wir die restlichen 9 die schon auf uns gewartet hatten. Auch der Zug stand schon bereit.

In der Bahn gab es dann auch schon das erste Erlebnis, das für Gesprächsstoff sorgte. Der Schaffner belehrte mich darüber, dass bei 3 Fahrkarten auch 3 Namen auf dem Tickets zu stehen haben. Für dieses Mal wäre es nicht schlimm, aber ich möge doch in Zukunft darauf achten.

Tatsächlich war es in all den Jahren das erste Mal, dass mich ein Schaffner auf dieses grobe Fehlverhalten hingewiesen hatte, wenngleich wir bereits sehr viele Touren mit dem Rheinland-Pfalz-Ticket unternommen haben. Aber gut lieber Schaffner, ich werden es umsetzen.

Man sah dem nicht schlecht aussehenden Schaffner nicht an, dass es einer von den Kleinkarierten war. Manch einer aus der Gruppe meinte danach, dass er uns gerne bei der Wanderung begleiten könne. Aber er fuhr lieber nach Saarbrücken.

In Bad Münster war ein Zugwechsel angesagt. Der Anschlusszug stand bereits auf dem Bahnsteig gegenüber bereit.

Hier verlor der Schaffner kein Wort über die Unterschrift der Fahrkarte und sah das ganze viel lockerer. Unsere Fahrt dauerte jetzt noch eine knappe halbe Stunde, bis wir Winnweiler - dem Ausgangspunkt unserer Wanderung - erreicht hatten.

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Endlich war es soweit! Nach einer kurzen Begrüßung durch mich und einer Einleitung durch den Mann, der durch das heutige Programm führte startete die Wanderung.

Schon vor zwei Jahren war Winnweiler Ausgangspunkt einer Wanderung am Donnersberg. Nun konnte ich mich auch gut daran erinnern, dass die ersten Meter direkt an der Straße entlang führten, da wir die Brücke auslassen wollten.

Der erste war bereits über die Leitplanke gekraxelt als eine Diskussion ausbrach, dass etwas weiter hinten die Möglichkeit bestehen würde, die Straße sicher zu überqueren.

Etwas verunsichert, jedoch mit vollem Mut, stimmte unser Tourenleiter zu, denn diese Änderung lag außerhalb der Planung und noch wusste keiner, wo wir landen würden.

Somit blieb den anderen Teilnehmern die Krabbelei über die Leitplanke erspart, während der erste wieder zurück musste.

Lang war der Umweg nicht und schon hatten wir den ursprünglich geplanten Weg erreicht, der uns nun auf die Höhen von Winnweiler führte.

Zunächst führte unsere Wanderstrecke über offenes Gelände doch schon bald wechselte das Bild und wir wanderten im Wald.

Zwischenzeitlich verlief der Weg ein kurzes Stück entlang einer Straße. Nicht ganz ungefährlich, da die Fahrzeuge, die dort fuhren nicht gerade langsam fuhren. Vor allem an einer Kurve hielten wir ganz schön die Luft an. Doch es ging alles gut. Jetzt konnten wir auch rasch die Straße verlassen und uns dem Anblick einer Felsenschlucht widmen. Einige studierten noch eifrig die angebrachte Schautafel und konnten ein wenig über den vulkanischen Ursprung der Landschaft erfahren.

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Mit leichter Steigung und meist durch den Wald ging es nun Richtung Falkenstein, dem kleinen Flecken mit der "steilsten Dorfstraße Deutschlands", deren Erklimmen wir uns natürlich nicht nehmen lassen wollten.

In Falkenstein angekommen sahen wir uns zunächst den einsamen Kirchturm an, der neben dem Friedhof stand.

Nachdem wir uns ausgiebig den Turm angesehen hatten wanderten wir weiter und erreichten kurz darauf Falkenstein.

Hier war sie, die steilste Dorfstraße Deutschlands. Keine Ahnung ob sie es wirklich war. Meine Recherchen im Internet nach der Wanderung haben ergeben, dass sich einige Orte mit diesem Titel brüsten wollen.

Wie dem auch sei. Unsere Straße hatte eine Steigung von 25 Prozent und war steil. Und es war anstrengend sie nach oben zu laufen. Was wohl anstrengender war - sie nach oben zu schlendern oder hinab zu gehen?

Ungefähr auf der Hälfte dieser Straße trafen wir auf die Burg Falkenstein.

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Sofort dachte ich, dass wir hier schon einmal waren. Ich hatte nur keine Ahnung wann.

Selbstverständlich war die Burg eine kleine Erkundungsrunde wert, die wir uns nicht nehmen ließen.

Auch ein anderer Wanderer war meiner Meinung und konnte sich sogar noch an die Aussage meines Mannes erinnern, der damals in die Ferne geblickt hatte. Sein Blick war an einem Häuschen am Ortsausgang haften geblieben. Daraufhin meinte er, dass die Leute dort aber schön wohnen würden. Er hatte nicht bemerkt dass er vom Friedhof gesprochen hatte. Damals hatten wir gut darüber lachen können. (Meine Recherche nach der Wanderung hat ergeben, dass wir im Jahr 27.04.2003 tatsächlich dort gewesen waren. Seinerzeit hatten wir allerdings auf das Erklimmen der Dorfstraße verzichten können.)

Nachdem wir genug von der Burg gesehen hatten setzten wir unsere Tour fort. Unser nächstes Ziel war ein Lokal, welches wir für die Zwischeneinkehr vorgesehen hatten.

Wegen des Wetters - inzwischen hatte dauerhafter Regen eingesetzt - hatten wir Glück und bekamen gut Platz. Nur wenige Wanderer waren an diesem Tag unterwegs und das Lokal war auf Wanderer und Motorradfahrer ausgerichtet. An einer langen Tafel ließen wir uns nieder.

Tja und dann saßen wir so da und warteten darauf, dass jemand kam um nach unseren Wünschen zu fragen. Nach einer Weile meinte ich, ob hier vielleicht Selbstbedienung wäre, was die anderen aber gleich verneinten. Schließlich war doch die Bedienung am Salat austeilen gewesen, als wir herein kamen.

Weitere Minuten später wies uns eine Dame vom Nebentisch darauf hin, dass hier Selbstbedienung sei. Also doch!

Die Information verbreitete sich rasch an unserem Tisch und schon sausten die ersten in Richtung Theke um ihre Bestellung abzugeben.

Das Prozedere war etwas gewöhnungsbedürftig - aber durchaus gut durchdacht! An der Theke bestellte man sein Getränk, anschließend an der Kasse sein Essen. Jetzt bekam man einen Bon und einen Buzzer. Den Bon musste man an der Essensausgabe abgeben, den Buzzer mit zum Tisch nehmen.

Wobei es dann schon wieder Unterschiede mit der Abgabe des Bons gab. Einige mussten den Bon an der eben erwähnten Essenausgabe abgeben, für die letzten in der langen Reihe der anstehenden wurde dies vom Fräulein an der Kasse erledigt.

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Einer unserer Wanderer gab also seinen Bon an der Ausgabe an, machte sich auf den langen Weg zu unserem Tisch zurück, setzte sich hin und schon vibrierte sein Buzzer. Also wieder den Weg zurück um das Essen abzuholen.

Bei den anderen dauerte es etwas länger. Jeder saß da und wartete gespannt. Keiner wollte es versäumen, wenn das Ding anfing zu vibrieren und wild zu blinken.

Durch die Fensterscheibe sahen wir, dass es sich nun endgültig eingeregnet hatte und der Regen noch stärker wurde.

Aber noch hatten wir die Hoffnung nicht begraben, noch saßen wir im trockenen .

Und bevor wir weiter ziehen würden gab es für den ein oder anderen ja auch erst noch einen Pott Kaffee und ein leckeres selbst gebackenes Stück Kuchen.

Irgendwann war es schließlich doch soweit. Wir wollten weiter.

Die Hälfte der Wanderung hatten wir jetzt hinter uns. Die zweite Hälfte würden wir auch noch hinbekommen - ob mit oder ohne Regen.

Während wir da so im Regen unseres Weges liefen wurden die Gedanken wach, ob man solch eine Wanderung auch alleine machen würde, oder ob man - allein mit der Wettervorhersage - überhaupt auf die Idee kommen würde, bei diesem Wetter raus zu gehen, oder lieber zu Hause auf dem Sofa zu lümmeln und ein Mittagsschläfchen zu machen und anschließend gemütlich einen leckeren Tee zu trinken.

Gemeinsam in der Gruppe war das irgendwie etwas anderes. Man war gemeinsam in der gleichen Situation und hatte noch Spaß daran. Freilich wäre der Spaß bei schönem Wetter um einiges größer, aber das Wetter ist eines der Punkte, dass keiner ändern kann - ein Thema, dass jeder gerne selbst in die Hand nehmen würde, doch es geht nicht.

Nach der Einkehr war nicht ganz klar welchen Zug wir erreichen würden. Dieser fuhr jede Stunde. Meine Berechnungen hatten ergeben, dass wir knapp den Zug verpassen würden. Sozusagen noch die Schlusslichter davon sausen sehen würden.

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Deshalb steigerte ich das Tempo ganz bewusst, wurde jedoch rasch wieder ausgebremst und hatte einige keuchende Wanderer hinter mir. Nun ging die Tendenz dahin nicht ganz so flux weiter zu gehen, dafür einen Aufenthalt in Rockenhausen in einem Eiscafé einzuplanen.

So ganz allmählich wurde die Wanderung bedingt durch den Regen etwas unangenehmer. Die Nässe zog sich an den Hosenbeinen hinauf. Somit ließ die Motivation der Wanderer merklich nach.

Fast unmerklich steigerte sich durch diese Umstände das Tempo wieder, aber so, dass es alle ohne große Anstrengung schaffen konnten.

Unser Weg führte durch das Alsenztal bis nach Rockenhausen. Und - welch ein Wunder - wir hatten es geschafft, dass wir die Bahn um 16:01 Uhr erreichten. Eine Stunde früher als vorgesehen. Damit entfiel zwar das Eiscafé, worüber aber keiner böse war.
Mit einer kleinen Verspätung traf der Zug ein, schaffte es aber, die Verspätung wieder einzufahren, so dass wir in Bad Münster einen direkten Anschluss an den Regionalexpreß nach Mainz schafften.

War die Fahrt am Morgen mit der Bahn noch ein Vergnügen, so war es nun Horror. Bereits die Bahn von Rockenhausen nach Bad Münster war sehr voll gewesen, doch nach dem Umsteigen waren wir in einer Sardinenbüchse gefangen. Ich mag solche vollen Züge nicht. Wäre es nach mir gegangen hätten wir den nächsten Zug - eine Regionalbahn - genommen. Die wäre zwar etwas langsamer auf den Schienen unterwegs, doch wären wir vermutlich wesentlich komfortabler gereist.

Na gut, so dauerte die Fahrt eben nur 24 Minuten anstelle 33. Hatte ja auch was gutes!

In Mainz hatten wir dann noch wahnsinniges Glück gehabt, denn es hatte dort am Mittag eine Bombendrohung gegeben. Die Sperrung der einen Hälfte des Bahnhofs wurde gerade aufgehoben. Wären wir noch früher angekommen, wäre es schwieriger gewesen durchzukommen.

Rasch verabschiedeten wir uns und jeder ging seines Weges. Wir zwei aus Wiesbaden hatten noch einen Moment Zeit, denn unser Anschluss fuhr nach ca. 15 Minuten und hatte eine kleine Verspätung.

In Wiesbaden hieß es schließlich auch für uns auf Wiedersehen zu sagen. Damit ging ein wieder sehr schöner Wandertag zu Ende. Schade, dass diesmal das Wetter nicht so fein war. Der Donnersberg im goldenen Herbst hätte mehr Spaß gemacht.

Durch die Schirme und das eigentlich unfreundliche Wetter habe ich gerade beim Verfassen des Berichts festgestellt - wann sind wir eigentlich durch das Alsenztal gewandert. Ich kann mich gar nicht daran erinnern. Ist dies ein Zeichen dafür, dass wir diese Wanderung noch einmal in ein paar Jahren wiederholen müssen?

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Kommen wir zum Fazit: Schöne Tour mit einer neuen Erkenntnis - man kann die Gäste zum Personal machen und sie freuen sich auch noch darüber. Holen ihre Getränke - ihr Essen - tragen das Geschirr wieder zurück. Den Gastwirt freut es, denn der bekommt seine Hütte mit wenig Personaleinsatz voll.

Und noch eine Erkenntnis - mit der Richtigen Kleidung gibt es kein schlechtes Wetter. Mit geeigneten Regenschutz - nicht nur mit einem Schirm - wär das Höschen trocken geblieben.

Jetzt die letzte Erkenntnis: es war wunderschön. Die Tour hat gepasst - so wie wir es von unserem Tourenleiter gewohnt sind.

Wanderleitung: Gerhard

Bericht und Bilder: Hotti