Von Kirchheimbolanden nach Monsheim
notiert von Gerhard

12. August 2012


Es war mal wieder so ein Termin, bei dem alles anders kommt als geplant.

Eigentlich wollten wir ja im kühlen Wald rund um Wiesbaden wandern - doch dann zog es der designierte Tourenleiter vor, sich von seinem Blinddarm zu trennen (es geht im aber bereits wieder gut).

Das war dann eine schöne spontane Gelegenheit, eine lange schon ausgeguckte Wanderung durch die Pfalz nach Rheinhessen an den Mann bringen.

Und weil der Wetterbericht eine Woche im Voraus leichte Bewölkung und 25 Grad vorhersagt, konnte man diese im fast baumlosen Terrain auch wagen... nur änderte sich aber auch das böse Wetter, und es wurde spätestens am Nachmittag ordentlich heiß - das aber bei wolkenlosem, tiefblauen Himmel, sanfter, guter Luft, etwas Wind und herrlicher Fernsicht.

Und es wurde ein toller Tag!

Bild 1

So versammelte sich also eine Gruppe von acht Mitwanderern - darunter erfreulicher Weise auch ein Neuzugang :-) - am Mainzer Bahnhof und fuhr über Alzey nach Kirchheimbolanden.

Von da ging's auch gleich los, eine Kirmes samt Flohmark wurde trotz massiven Bettelns einiger Mitwanderer vom hartherzigen Tourenleiter links liegen gelassen, die Stadt nur gestreift und schon zogen wir vorbei an schönen Kleingärten (unter sachkundiger Begutachtung der Tomatenzucht etc.) und über leicht gehügelte Felder ins Leiselbachtal.

Ab Rittersheim liefen wir direkt am Ufer, und um Gauersheim herum machten wir einen weiten Bogen und wurden mit einer großen, zahlreich besetzten Pferdekoppel belohnt.

Ein Mitwanderer schloss dort gleich viele neue Freundschaften, musste sich aber wieder losreisen - denn wie immer, drängte der hartherzige Tourenleiter bald zum Aufbruch.

Bild 2

Es folgte die einzige, und auch eher gemächliche Steigung auf einen lang gezogenen Hügelrücken, der Aussichten in alle Richtungen bot: Auf das große Massiv des Donnersberg, auf die Hügelkette der Haardt mit dem Fernstehturm bei Bad Dürkheim und sogar auf die Höhen des Odenwaldes samt Melibokus.

Dies war ja schon beeindruckend, sollte dann aber noch von dem übertroffen werden, was vor uns lag, als wir unseren Rastplatz hoch über Albisheim erreichten: Einem Panoramablick über die bunte Hügellandschaft hinweg in das sanfte und weite Tal, durch das die Pfrimm nach Worms fließt (das aber dennoch "Zellertal", oder auch "Violentälchen" heißt).

Die klare Luft, der blaue Himmel und das dieses Jahr so tiefe, saftige Grün der Rebflächen und der Baumreihen ergaben ein wirklich herrliches Bild!

Zumal sich auch der Rastplatz sehen lassen konnte: Eine liebevoll von der Freiwilligen Feuerwehr hergerichtete Anlage mit Rasen, Pflanzen, Tischen und Bänken und zu Füssen eines alten Wartturmes.

Leider war letzterer nicht zu besteigen und besichtigen, denn sicher wäre die Aussicht von dort oben noch grandioser gewesen!

Siehe: www.albisheim-pfrimm.de/hp/ortsgemeinde-albisheim/kultur,-freizeit,-tourismus/

Bild 3

Bei der Wanderung hinab ins Ort konnten wir noch einen kleinen, sehr stimmungsvollen jüdischen Friedhof besichtigen, kamen in Albisheim dann an einem hübschen Rathaus vorbei und erreichten bald die Pfrimm, die wir nun entlang wanderten - vorbei an hohen Pappelreihen, einigen Rückhalteteichen, dann über Wiesen und nach Herxheim.

Dort gab's im Ortskern einige halt zerfallene Gebäude aus Bruchstein mit sehr malerischen Winkeln, aber auch große Gutshäuser zu bewundern.

Der Weinbau prägte von nun an die Gegend, und wir gingen unter Rebhängen bis nach Niefenheim.

Dort wurde ein Eisverkaufswagen gesichtet - aber leider nur beim Hinausfahren aus dem Ort - und ein Traubenvollernter am Wegesrand versetzte einige Techniknarren in Extase.

Das Beste war jedoch ein Kneip-Armbecken, das willkommene Erfrischung in der Nachmittagshitze bot. War diese Freude noch zu übertreffen?

Jawoll, denn als wir weiter an der Pfrimm entlang und durch ein Auwäldchen nach Wachenheim gegangen waren, wussten wir, dass es noch besser kommen konnte: Dort bot ein Kneipp-Tretbecken, gespeist aus einer eiskalten klaren Quelle, nicht nur Kühlung für unsere heißen, dicken Füße, sondern auch einen Platz für ausgelassene Späße, zum Lachen und für sonstige, laute Äußerungen unserer Freude.

Bild 4

Wie gut war es dann, dass unser weiterer Weg oft im Schatten hoher Bäume verlief!

Meiner Ankündigung, in weniger als einer Stunde könnten wir in Monsheim sein, wurde zunächst natürlich kein Glauben geschenkt - denn den Verlauf unseres Wegs war so gar nicht recht zu erkennen.

Also gingen wir einfach weiter, erblickten das sehr malerisch am Hang liegende Mölsheim, sahen die Pfrimm im Gegenlicht glitzern, kamen an einer uralten Mühle vorbei, wichen wegen Bauarbeiten ein Stück über holprige Ackerwege aus, unterquerten ein mächtig hohes Viadukt der Eisenbahnlinie nach Alzey, schlichen durch ein Vogelschutzgebiet und schon waren wir am Zielpunkt, fast ganz ohne unsere müden Füße und Beine weiter zu bemerken.

Nun hatte ich aber glatt ein bisschen Herzklopfen - denn aus dem Internet wusste ich nur, dass eine einzige Gaswirtschaft im Dorf geöffnet hat, die ich aber natürlich noch nicht getestet hatte.

Aber dann gab's einen lauschigen Innenhof, eine freundliche und pfiffige Wirtin, ein Salatbuffet zur freien Verfügung, wunderbare Rumpsteaks, knusprige Bratkartoffeln und schließlich eine Runde zufriedener, ja strahlender Gesichter.

Der Rest ist rasch berichtet, der Weg zum Bahnhof war ebenso kurz wie die Fahrt nach Worms und dann im RE nach Mainz, wo wir nach knapp zehn Stunden wieder ankamen.

Fazit: Eine wirklich schöne Tour von rund 18 Kilometern und ein gelungener Tag nach dem Motto: Alles wird anders, und alles wird gut!

Wanderleitung: Gerhard

Bericht: Gerhard

Bilder: Dr. Thomas