Wispertalsteig

Wandern auf hohem Niveau in aller Stille
notiert von Hotti

23. April 2011


In der Ankündigung hatte ich bereits geschrieben, dass wir vor einigen Jahren versucht hatten eine Wanderung im Wispertal hinzubekommen. Damals ist es an den Wegen oder mehr noch an den Beschilderungen gescheitert.

Mit dem Wachstum diverser Wandersteige hat sich dies schlagartig geändert. Jedem Tal sein eigener Steig, daraus ist vor etwa zwei Jahren der Wispertalsteig entstanden. Und der ist so richtig schön!

Wer eine Wanderung in Abgeschiedenheit sucht, eine Strecke, die nicht lang ist, aber eine Herausforderung an die Kondition sein soll, der ist mit dem Wispertalsteig bestens bedient.

Bei unserer Wanderung wollten sich dies 10 Teilnehmer nicht entgehen lassen.

Der erste Treffpunkt war der Wiesbadener Hauptbahnhof. Hier sammelten sich alle, die mit der Bahn nach Wiesbaden gekommen waren. Nächster Halt war unser Treffpunkt an einer Park + Ride Anlage, den wir häufiger als Treffpunkt nutzen.

Auf zwei Autos aufgeteilt waren wir nun zu neunt. Der zehnte würde am Ausgangspunkt unserer Tour warten.

Die Fahrt von Wiesbaden nach Espenschied, hier ist offizieller Start des Wispertalsteig dauert etwas weniger als 40 Minuten. Parkplätze gibt es ausreichend am Friedhof. Das heißt einfach einmal durch den Ort fahren und dann ist er auf der linken Seite kurz vor dem Ortsausgang nicht zu übersehen.

Vom Parkplatz aus sieht die Tourenbeschreibung vor, zunächst vom Parkplatz aus ein paar Meter hinunter in die Ortsmitte zu laufen. Gestartet wird an der Dorflinde.

Bild 1

Bild 2

Wir haben es anders gemacht. Oberhalb des Friedhofs verläuft ein asphaltierter Weg der der Umzäunung des Friedhofs folgt. Am Ende des Zaunes kann man dann recht gut erkennen, was einem durch diese Abkürzung erspart bleibt. Ein relativ steiler Anstieg aus dem Dort hinauf.

Am Ende der Tour hat man ausreichend Zeit, noch einen Blick in den Ort zu werfen.

Nachdem wir die erste Abkürzung hinter uns gelassen hatten folgten wir der Beschilderung des Wispertalsteig und erreichten nach ganz wenigen Schritten bereits den höchsten Punkt unserer Wanderung, dem Wasserbehälter mit 427 Meter üNN.

Na, dann war es ja eine einfache Tour, wenn wir nach kurzem Anstieg bereits den höchsten Punkt erreicht hatten. Aber Moment mal. Hieß die Tour nicht Wispertalsteig und wo war das Wispertal.

Dies würde ja bedeuten, dass da noch was Anstrengendes vor uns liegen musste!

Gemach, gemach - so schlimm wurde es zu diesem Zeitpunkt dann aber doch (noch) nicht.

Dummerweise schenkten wir der ersten Aussichtsstelle keine große Beachtung, obwohl ein Hinweisschild auf das hinwies, was es dort zu sehen gab. Dadurch versäumten wir den Blick auf die Ruine Rheinberg, der einst bedeutendsten der Wisperburgen. Dabei hatten wir doch Zeit und wollten alles sehen, was es hier zu sehen gab.

Kurze Zeit später war es an der Zeit vom Waldrand in den Wald zu wechseln. Eine Spitzkehre führte uns direkt hinein in die Stille, die Abgeschiedenheit und auch nach unten.

Den nächsten Aussichtspunkt ließen wir nicht achtlos an uns vorbei ziehen. Versteinerter Saurier sagt das Hinweisschild, heißt dieser Platz und es ist schön dort!

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Wenige Schritte auf dem gleichen Weg zurück und schon konnten wir weiter unseres Weges ziehen. Entspannt wanderten wir nach unten, erreichten nach einer Weile den Sauerbrunnen "Werkersbrunnen".

So, nun waren wir unten und wo bitteschön ist denn nun das Wispertal.

Oh je, hatte denn keiner die Beschreibung gelesen? Denn am Brunnen, der mit einem großen Dach überzogen ist, was aus der Ferne wie eine riesig große schöne Schutzhütte ausschaut, änderte sich die Wegführung.

Deshalb gab es hier an dieser Stelle erst mal eine kurze Rast.

Ja, und dann ging es auch schon weiter! Uns stand ein steiler Anstieg bevor, der sich eine ganze Weile hinzog und damit die anstrengendste Passage dieser Wanderung war.

Oben angekommen gab es erst mal reichlich Zeit zum Verschnaufen. Danach ging es mit mäßigem Anstieg immer noch weiter hinauf auf die Höhe.

Kam doch der ein oder andere Wanderer tatsächlich auf die Idee, dass wir irgendwie eine kleine Schleife gewandert wären und Espenschied nicht weit sein könnte. Ich kann gar nicht verstehen, wie jemand auf eine solche Idee kommen kann. Unfassbar!

Schließlich hatten wir die Höhe erreicht, einmal links, einmal rechts und wir hatten die Hälfte der Tour erreicht.

Bild 6

Bild 7

Überraschung! Der Ortsverein Espenschied lud hier zu Kaffee und Kuchen ein. Hintergrund der Aktion war eine Umfrage, ob an dieser Stelle eine Schutzhütte errichtet werden soll um dem Wanderer auf der Hälfte der Tour, übrigens an einer Stelle mit wunderschöner Sicht, eine Rastmöglichkeit anzubieten.

Kaffee und Kuchen nahmen wir sehr gerne an. Auch die Frage nach Der Schutzhütte und wie wir auf den Wispertalsteig gekommen waren beantworteten wir gerne. Und selbstverständlich unterstützten wir das Vorhaben mit einem kleinen Obolus in das gebastelte Spendenhäuschen.

Nach dieser ungeplanten Kaffeepause ging es weiter und nun hatten wir auch die Hälfte der Wanderung erreicht.

Ein Baumstamm verkündete, dass wenn wir hier nach links Wandern würden, in 1,5 Kilometern den Luftkurort Espenschied erreichen würden. Dort gäbe es sogar die Möglichkeit zu Übernachten oder, wer dies nicht mag, zumindest einzukehren. Rechts herum würde man früher oder später in das Wispertal gelangen.

War nicht vor kurzem das Gespräch darauf gekommen, dass wir im Kreis laufen würden und Espenschied nicht mehr weit sein kann. Wie recht er doch mit seiner Feststellung hatte!

Der zweite Abschnitt dieser Wanderung ist übrigens der einfachere Teil. Zwar geht es auch noch runter und wieder hoch, aber eben nicht so heftig, wie in der ersten Hälfte der Wanderung.

Dieser zweite Teil der Wanderung führt zunächst an Feldern entlang, bis man wieder in den Wald eintaucht, wobei eintauchen fast schon übertrieben ist.

Bild 8

Bild 9

Hatte man auf dem ersten Abschnitt die Möglichkeit, bei klarer Sicht den Feldberg, den Soonwald oder die Hohe Wurzel zu sehen, so sieht man größtenteils auf diesem Abschnitt "lediglich" das Ernstbachtal und blickt auf den Ort Presberg, wobei ich diesen nicht ausmachen konnte.

Wenige Augenblicke später hatten wir, seit dieser Wanderung übrigens, meine neue Lieblingsstelle erreicht. Ein Aussichtsplatz, von dem aus man den Holzturm des Salzkopfes sehen kann. Hier waren wir vor einigen Jahren Wandern und konnten von der anderen Seite des Rheins den Blick genießen.

Ein Teilnehmer meinte, dass diese Wanderung besonders schön sei, da man selten die Aussicht auf viele absolut unbebaute Gebiete sah. Wohin wir schauten, überall nur saftig grüne Wälder. Genau das richtige, für den, der die Ruhe sucht!

Doch auch an dieser Stelle war irgendwann die Zeit gekommen um weiterzuziehen.

Unser nächstes Ziel war dann doch tatsächlich die Wisper. Von den Orten her war dies so ziemlich der unspektakulärste und unschönste Ort der Wanderung. Direkt an der Hauptstraße. Nein, hier war es nicht fein.

Deshalb Wanderten wir auch gleich weiter. Übrigens, wer mit dem ÖPNV anreisen will, um diese tolle Wanderung zu machen, der steigt hier aus und nimmt die Wanderung von hier aus auf.

Von der Laukenmühle aus führt nun ein Wanderweg direkt hinauf nach Espenschied. Wir entschieden uns zwischendurch noch einmal eine zehnminütige Rast einzulegen, was auch gut tat.

Der Weg hier herauf ging zwar auch stetig bergan, doch nicht so schlimm, wie der erste schlimme Anstieg nach dem Sauerbrunnen während des ersten Abschnitts.

Etwa eine Dreiviertelstunde braucht man von unten nach oben. Oben angekommen versammelten wir uns an der Dorflinde, bevor wir uns aufmachten zu den Autos, um unsere Rucksäcke abzulegen.

Gegen zehn vor fünf hatten wir schließlich das Gasthaus erreicht, in dem bereits für unsere Abschlusseinkehr eingedeckt war.

Hier konnten wir in aller Ruhe eine stille Wanderung bei sehr guten Essen ausklingen lassen.

Bild 10

Bild 11

Fazit: Diese Tour ist so was von schön. Falls jemand mal eine Strecke zum Abschalten sucht um zu denken, spazieren zu gehen, dann ist diese Tour einfach nur ideal.

Man muss auch nicht beide Abschnitte laufen. Wer Lust auf was kurze Tour hat, der kann die Wanderung teilen. Ich würde dabei jedoch dem zweiten Teil der Wanderung den Vorzug geben und ruhig mal eine etwas längere Rast an einem schönen Aussichtspunkt einplanen.

Wanderleitung: Hotti

Bilder: Hans - Christoph, Rainer K. & Hotti

Bericht: Hotti