Von Biebrich über Frauenstein nach Dotzheim
notiert von Hotti

9. Januar 2011


Es kommt nicht häufig vor, dass eine Wanderung vor einer kurzfristigen Absage steht. Doch bei dieser Wanderung war es mal wieder soweit. Die Wetterprognose für den 9.1.2011 war schließlich alles andere als gut. Den ganzen Tag über war eine Regenwahrscheinlichkeit von 80 % vorausgesagt. Lediglich die Temperaturen sollten auf ca. 9 Grad ansteigen.

In der Woche vor der Tour kamen einige wenige Anmeldungen zu dieser Tour, die meisten mit der Frage wie realistisch es sei, dass wir tatsächlich Wandern gehen würden. Meine Antwort auf diese Frage lautete dann, optimistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit der Durchführung bei 50 %.

Es lag in meiner Hand. Einen Tag vorher hätte ich noch Absagen können, hatte auch sehr intensiv darüber nachgedacht und trotzdem entschied ich mich, diesmal selbst bei Regen loszuwandern.

Schließlich konnten wir jederzeit von der geplanten Streckenführung abweichen, konnten abkürzen. Wenn es zu Doll werden würde, könnten wir uns in den nächsten Bus setzen, zumindest bis Frauenstein.

Nicht mal zur Abschlusseinkehr hatte ich reservieren müssen, waren doch nur 6 Teilnehmer angemeldet.

Mit Glatteis oder anderen problematischen Wegen war wegen des Tauwetters nicht zu rechnen. Was also, außer Regen, sollte uns von einer Wanderung abhalten. Und gegen den Regen half ein Schirm.

Doch ein Problem sollte es dann doch geben. Würde das Hochwasser die Wegeführung ändern? Noch konnte es keiner der Teilnehmer beantworten. Noch waren wir nicht am Rheinufer angekommen. Eine weitere Frage, würden alle unerschrockenen Wanderer trotz der Vorhersage am Treffpunkt aufschlagen?

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Nun, zumindest am ersten Treffpunkt kam es, wie es kommen sollte! Ein Teilnehmer sagte spontan ab, weil es ihm während der Anreise zu stark geregnet hatte. Hätte er gewusst, wie unser Wanderwetter werden würde, so wäre er freudiger Erwartung weitergefahren! Am Hauptbahnhof standen die beiden nächsten und am Biebricher Rheinufer stand der fünfte und damit letzte Teilnehmer. Die Tour konnte starten.

Die in der Vorankündigung genannte Strecke durch den Schlosspark ließen wir ausfallen, da diesen alle Teilnehmer kannten.

Der erste Teil unserer Wanderung führte uns direkt am Rhein entlang und irgendwie hatten wir wohl Glück, denn das Hochwasser war ein wenig zurückgegangen, so dass wir tatsächlich in Ufernähe unsere Strecke wandern konnten. Na gut, einige Schlenker waren schon dabei, viele Stellen waren überflutet, doch für uns war entstand dadurch kein großer Umweg.

In Schierstein angekommen nahmen wir den direkten Weg in Richtung Hafen und waren guter Hoffnung, dass die Sperre wegen Hochwassers bestimmt nur noch nicht weggeräumt wurde.

Tja, da waren wir diesmal allerdings falscher Hoffnung, denn tatsächlich kamen wir nach einem kurzen Stück nicht mehr weiter. Somit hieß es umdrehen und einen Weg oberhalb nehmen.

Nach kurzer Zeit waren wir schließlich am Hafen angekommen und konnten nun wieder direkt am Wasser laufen, bis wir auf die Markierung des Rheinsteigs stießen. Hier hieß es nun Abschied nehmen vom Rhein, denn nun führte unsere Wanderung ins "Landesinnere".

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An einem Brünnlein konnten wir unsere erste Rast einlegen. Übrigens hatte es bereits kurz vor Schierstein aufgehört zu regnen und seither nicht mehr angefangen!

Vollkommen entspannt konnten wir unsere Rast genießen. Knappe fünfzehn Minuten später ging es schließlich weiter in Richtung Frauenstein.

In Frauenstein selbst blieben wir nicht lange. Nur ein kurzes Stück auf der Ortsstraße, bevor wir nach oben wanderten und unterhalb des Goethesteins noch einmal die tolle Fernsicht in die Rheinebene genießen konnten.

Oben angekommen konnten wir ein klein wenig verschnaufen, bevor wir auf der anderen Seite des Orts diesen auch schon wieder verlassen hatten. Nun ging unsere Strecke weiter in die Obstfelder. Zur Kirschblüte einfach nur genial dort. Heute nicht, aber prima Klima.

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Ab hier beziehungsweise nach nicht allzu langer Zeit auf dem Feldweg wurde ein Halla li (heißt das so?) geblasen. Offenbar war hier in der Nähe eine Jagd, deren Ende anscheinend gerade eingeleitet wurde. Wenig später standen auch die Warnschilder.

Ab jetzt wurde unsere Wanderung auch wesentlich schwieriger, denn Eisflächen bereiteten uns Schwierigkeiten. Dass dies erst ein kleiner Vorgeschmack werden sollte, dies ahnten wir da noch nicht.

An der erreichten Hauptstraße bogen wir nach links ab und folgten der Straße nach oben. Eigentlich soll man ja Fußwege benutzen, doch wenn diese unpassierbar sind, dann kann man auch mal die Straße nutzen, vor allem dann, wenn da eh kein Auto fährt.

Stetig leicht bergan gewandert kamen wir an den amerikanischen Golfplatz. Ach, hier wurden wieder Kindheitserinnerungen wach, denn im Winter, wenn ordentlich Schnee lag, waren wir oft hier zum Schlittenfahren.

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Hinter dem Golfplatz wurde es dann so richtig brutal, denn ab hier war es nichts mehr mit freien Straßen. Anfangs konnten wir uns noch in den Fahrrinnen fortbewegen, doch nach nicht allzu langer Zeit mussten wir uns wegen der Glätte in den Wald schlagen. Durch das Tauwetter war es hier allerdings sehr nass.

Irgendwie schafften wir es schließlich zur Luja-Hütte, einer Schutzhütte, wo wir unsere zweite und letzte Rast machten.

Während wir genüsslich in unsere Brote bissen konnten wir auf dem glatten Weg einige Jogger sehen. Ein Jogger hatte sogar kurze Hosen an. An dieser Stelle mussten wir feststellen, dass man sich gar nicht so warm laufen konnte, um diese Kälte zu überstehen. Na ja, er machte den Eindruck, als würde er es öfter machen.

Für uns nahte die nächste Herausforderung. Um in die Fahrrinne zurück zu gelangen mussten wir eine Spiegelglatte Fläche überwinden. Mithilfe eines Schirms und Bildung einer Menschenkette gelang uns dies dann auch.

Um die nächste Ecke nahte große Besserung. Die nächsten Meter waren wieder absolut gut zu laufen.

Gemäß Murphys Gesetz trafen wir freilich genau an der Stelle auf Gegenwanderer, wo die Fläche wieder mit glatten Schneeresten überzogen war. Es ging aber alles gut.

Am Chausseehaus führte unser Weg nun nach rechts auf den Weg Richtung Langendellschlag. Auch hier war es nicht besonders einfach zu laufen. Die Fahrrinne war unser treuer Begleiter um einigermaßen Schlitterfrei zum Langendellschlag zu kommen.

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Natürlich durfte auch bei dieser Tour dass Gruppenfoto nicht fehlen, was wir rasch knipsten. Danach ging alles recht schnell. Noch die Straße ein Stück herunter gewandert, die nächste Straße links hinauf, dann gleich wieder rechts und nun noch eine Steilpassage neben der Polizeischule hinauf und schon standen wir um viertel vor vier vor dem Lokal, in dem unsere Abschlusseinkehr geplant war.

Zwar war es noch recht früh für warmes Essen, aber keiner wollte es sich entgehen lassen. Lecker Roulade, Wildschweinbratwurst, Wildgulasch, oder darf es ein Schnitzel sein? Wir hatten uns das Essen mit dieser Wanderung absolut verdient. Auch wenn es anstelle der angekündigten 20 Kilometer einige weniger waren.

Abschließend haben wir noch festgestellt, dass es nicht immer gut ist, Wettervorhersagen zu vertrauen, denn bei dieser Wanderung standen die Chancen 80 % für Regen und 20 % für Trocken. Wir hatten Glück, auf uns sind die 20 % gekommen. Es hat einfach gut getan, mal wieder zu Wandern.

Und jetzt freuen wir uns auf unsere nächste Tour Ende Januar, bei der wir so gar nicht Wandern werden, sondern in Speyer unser Wissen in Sachen Rhein, Fische und vielem mehr erweitern werden.

Wanderleitung: Hotti

Bericht und Bilder: Hotti