Wanderwochenende der Streetmillboys im Thüringer Olitätenland

18. Juni bis 21. Juni 2009

Am Donnerstag, 18. Juni 2009 wurde das bestgehüteste Geheimnis der Streetmillboys seit Bestehen der Gruppe gelöst und 12 Wanderer durften sich daran erfreuen!

Nach langer Vorbereitungszeit, dem Zittern alle 12 gebuchten Plätze voll zu bekommen hieß es "auf nach Thüringen". Diesmal war einiges anders, denn die Ausschreibung lautete nur auf "Wandern im Olitätenland, der Bergbahnregion Thüringens". Den genauen Ort wusste keiner, einzig, dass wir ca. 5 mal Umsteigen mussten um am Ziel anzukommen und das die Fahrt bis gegen halb drei dauern würde.

Start war um viertel vor acht am Wiesbadener Hauptbahnhof. Zumindest für die Teilnehmer aus Wiesbaden und Mainz. Unser Regionalexpreß fuhr pünktlich um 8 Uhr ab und hier auch bereits das erste Highlight, ein total netter Schaffner, der uns fragte, wo denn unser Zielbahnhof lag und was wird dort machen würden. Sehr sympathisch! Schließlich wünschte er uns eine gute Fahrt und viel Spaß in Thüringen.

Frankfurt erreichten wir gegen 8:35 Uhr, wo wir auf den Rest der Gruppe trafen. Auch hier standen alle parat, der ICE in Richtung Erfurt konnte kommen. Dies tat er auch - pünktlich! Schade, denn bis zur Abfahrt war die Pünktlichkeit hin, ein Anschlusszug hatte Verspätung. Etwa zwei Stunden später waren wir bereits in Erfurt, wo wir einen etwas längeren Aufenthalt hatten. Lang genug, um noch einen Happen im Lokal zu Essen, oder einfach eine Thüringer Bratwurst vom Stand zu holen.

Gegen zwanzig vor eins schließlich die Weiterfahrt bis nach Rottenbach, wo wir nun (zumindest die Wiesbaden / Mainzer) zum dritten Mal umsteigen sollten. Von Rottenbach aus ging es mit der Schwarzatalbahn durch das idyllische Schwarzatal nach Obstfelderschmiede. Den Ort gibt es tatsächlich, zumindest ist dort die Talstation der Oberweißbacher Bergbahn.

Uns fiel in der Schwarzatalbahn direkt auf, dass es hier absolut moderne und pünktliche Züge gab. Auch wurde hier direkt Kaffee für 1 € angeboten, obwohl die Fahrt gerade mal ca. 25 Minuten dauerte. Während der Touren und der Rückfahrt mit der Bahn bemerkten wir, dass die Fahrt nicht mal so lange dauern musste, den Kaffee gab es immer.

Zurück nach Obstfelderschmiede. Hier stand uns der nächste Umstieg bevor. Jetzt sollten wir 1,4 km mit der Bergbahn (der steilsten Standseilbahn der Welt) zurück legen. Wir hatten Glück, denn das Wetter war gut und so konnte der Cabriowagen eingesetzt werden, der auch reichlich voll wurde.

So schön ist Thüringen in der Bergbahnregion

Cabrio fahren ist cool

Eine supernette Zugführerin erklärte via Lautsprecher einiges zur Geschichte der Bergbahn und technische Details. Die Fahrt sollte ne reichliche Viertelstunde dauern, was so viel heißt wie 18 Minuten.

In Lichtenhain angekommen erwartete uns nun der letzte Umstieg zur Anreise. Nun fuhren wir noch einige Minuten mit dem elektrischen Triebwagen von Lichtenhain über Oberweißbach nach Cursdorf.

14:37 Uhr - wir hatten unseren Zielort Cursdorf erreicht. Doch noch waren wir nicht am Hotel, dieses erreichten wir nach reichlichen fünf Minuten Fußweg. Endlich da!

Nun hieß es Zimmer beziehen und fertig machen zur ersten Wanderung. Keine Ahnung, wo es lang gehen sollte, aber dies sollte nicht schwierig sein, denn Thüringen bietet eine hervorragende Wegebeschilderung. Die erste Tour war ja auch nur als eine kurze Strecke nach Lichtenhain angekündigt.

Hier wollten wir Kaffee trinken. Der Weg dorthin war einfach, denn er führte uns genau an der Bahnstrecke entlang, die wir kurz zuvor mit dem Zug zurück gelegt hatten.

In Lichtenhain angekommen besetzten wir auch direkt die Terrasse des Bistropa. Ein zum Bistro umgebauter Eisenbahnwagen. Einfach nur genial. Schade, dass es nicht kalt war, denn so hätten wir die Bahnatmosphäre so richtig genießen können. Na gut, dann eben draußen.

Nach Kaffee und Kuchen traten wir gestärkt den Rückweg an. Insgesamt betrug dieser erste kurze Ausflug weniger als 7 km. Zum Warmwerden aber genau richtig.

Nach dem Kaffee trinken treten wir den Rückzug an

Halb sieben, dass Abendessen. Ein Dreigangmenü gab es. Und dann die erste Überraschung der Mehrtagestour. Es tauchte ein Herr auf, der sich als unser Wanderführer der nächsten zwei Tage vorstellte. Dies hatten wir bisher bei noch keiner Wanderung gehabt. Ein richtiger, ortskundiger Wanderführer, der uns zur Region und zu allem, was wir sehen konnten, eine Erklärung liefern konnte. Der die richtigen Wege fand, der uns schöne Stellen zeigte. Doch mehr davon konnten wir am Freitag erfahren.

Thüringer Olitätenland

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Fr. R. Martin, Thüringer Olitätenland - www.olitaetenland.de

Die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. Wobei die Überraschung eher gegenseitig war. Es folgte nämlich der Vortrag eines Buckelapothekers und der Kräuterfrau über die Kräuter und Heilpflanzen der Gegend. Nach dem erstaunten Blick: "oh, nur Männer", dachten die Redner bestimmt, dass kann ja nichts werden.

Interessante zwei Stunden später konnten wir sie überzeugen, dass wir absolut interessiert waren und auch selbst auf die Frage zur Regel der Frau: "ich weiß ja nicht, ob sie das interessiert" mit der Aussage antworteten, dass wir ihr auch diesbezüglich gerne zuhören würden.

Buckelapotheker

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung vom Regionalen Förderverein´"Olitätenwege im Thüringer Kräutergarten" e. V.
Jede anderweitige Nutzung bedarf der vorherigen Genehmigung des Fördervereins

Buckelapotheker Andreas und Kräuterfrau Elsbeth verabschiedeten sich mit den Worten, dass es ein sehr schöner Abend mit reger Beteiligung gewesen wäre. Der erste Abend neigte sich dem Ende. Dafür waren wir um viele Erkenntnisse reicher. Zum Beispiel das Brennesseltee gesund ist.

Freitagmorgen um acht Uhr Frühstück - Abmarsch um 9:30 Uhr. Unser Wanderführer Arno begrüßte uns mit einigen herzlichen Worten und erläuterte uns grob den Weg. Schließlich teilte er uns mit, dass sich Wanderfreunde stets mit den Worten "Frisch auf" auf den Weg machten. Wobei er das Wort "Frisch" vorgab und wir "auf" rufen mussten.

Die Wanderung am Freitag kann beginnen

Der erste Schreck fuhr uns in die Glieder als er fragte, ob fünf Kilometer in der Stunde in Ordnung wären. Aber alles war halb so schlimm. Normalerweise beträgt unsere Wandergeschwindigkeit ja nur so zwischen 3,5 und 4 km.

Da Arno aber auch immer viel zu erklären hatte, mussten wir uns um die Geschwindigkeit keine Gedanken machen.

Gespannt lauschen wir den ersten Erläuterungen

Wir hatten eine total interessante Wanderung hin zur zweigrößten Staustufe Deutschlands und beendeten unsere Wanderung in Schwarzburg. Nach einem Aufenthalt im Schloß wanderten wir kurz weiter, bis knapp zehn Minuten vor dem Bahnhof, wo wir noch Zeit für einen Kaffee in einem Café hatten. Arno fragte Frau Wirtin, ob wir mit 13 jeder noch eine Tasse Kaffee haben könnte, weil wir doch schon bald zum Zug müssten. Die Wirtin meinte, dass sie genügend Tassen habe, den Kaffee würde sie gleich aufsetzen (er war wirklich frisch aufgesetzt!)

Blick auf die zweitgrößte Staumauer Deutschlands

Von oben konnten wir bereits einen beeindruckenden Blick auf die zweitgrößte Staustufe Deutschlands werfen.

Ja wo sind wir denn jetzt genau?

Es ist doch immer wieder schön zu wissen, dass immer noch jemand eine Wanderkarte dabei hat. Da können wir dem ortskundigen Wanderführer ja vielleicht noch den richtigen Weg erzählen.

Hotti mal ganz allein auf einem Bild

Dass in Thüringen alles anders ist, mussten wir auf dem Weg zum Bahnhof erfahren, denn in Schwarzburg liegt der Bahnhof oberhalb der Stadt. Hierfür ist es erforderlich, eine kurvenreiche Hauptstraße ohne Bürgersteig bergauf zu laufen. Unbeschadet kamen wir nach ca. 10 Minuten am Bahnhof an.

Blick auf die Schwarzburg

Die Schwarzatalbahn kam pünktlich, die nette Kaffeeverkäuferin der Bahn wieder an Bord. Einige von uns nutzten wieder die Chance auf einen Becher Kaffee, obwohl die Fahrt diesmal ausgesprochen kurz war.

An der Talstation erwartete uns der planmäßige Aufenthalt von 25 Minuten bevor wir nach oben gezogen wurden. Oben angekommen noch ein paar Minuten mit dem Elektrotriebwagen, ein paar Schritte zum Hotel und schon waren wir wieder im Hotel. Hinter uns lag eine Wanderung von reichlich 17 km.

Im Hotel sprachen wir noch rasch ab, dass wir um halb acht zu Abend essen wollten. Mit einem Kräuterschnitzel neigte sich bereits der 2. Tag dem Ende.

Und jetzt noch einige Bilder des Tages:

Immer wieder erfahren wir interessante Dinge

Ohne Worte, muss was schlimmes gewesen sein

Ei, was ist denn da in dem kleinem Kasten

Total schöne und weiche Wanderwege

mit einmalig schönen Aussichten

Gegessen werden muss immer

Huch! Wer spreizt denn da das Fingerchen?

Immer wieder warten!

Wie auch bereits am Freitag starteten wir den Samstag wieder um 8 Uhr mit einem ausgedehnten Frühstück.

Kurz nach neun hieß es dann: "Abmarsch ohne Gepäck in das 2 Minuten entfernte Historische Glasapparatemuseum. Hier waren wir für eine Vorführung um viertel nach neun angemeldet. Es folgte ein hochinteressanter Vortrag einschließlich einiger Vorführungen verschiedener Apparate. Die knappe Stunde ging zügig vorbei und schon fanden wir uns im Hotel wieder um unsere Rucksäcke sowie unser Lunchpaket abzuholen.

Das historische Glasapparatemuseum - absolut interessant und sehenswert!

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Fr. Henkel, Historisches Glasapparatemuseum Cursdorf
www.infogr.ch/museum/default.htm

Arno, unser Wanderführer, war bereits anwesend, so dass wir gleich los wandern konnten. Heute ging es in die andere Richtung und zunächst einmal in die Höhe.

Auf der Höhe angekommen hatten wir auch heute wieder eine grandiose Fernsicht. Wobei wir bei dieser Tour das Problem hatten, dass es ziemlich heftig nach Regen aussah und wir direkt in das Regengebiet hinein wanderten.

Ah, da gab es wieder was zu Entdecken!

Und was zum Staunen

Wir sahen die Regenfront genau auf uns zukommen, so dass unser Wanderführer vorschlug, die Wanderung im Tal fortzusetzen, da wir dort geschützter seien und oben hatten wir ja auch bereits alles gesehen, so dass wir nun die Wanderung in einem wunderschönen Tal fortsetzten.

So ein bisschen Regen hat noch keinem geschadet

Nur zu gerne wären einige im Wirtshaus Forellenhof eingekehrt, doch im inneren waren alle Plätze belegt, draußen hatte es sich leicht eingeregnet. Der Forelle hätte das ja nichts ausgemacht, denn die ist ja Nass gewohnt, aber Wanderfreunden schon

Rast muss auch am Samstag sein

Nachdem einige sich für eine Forelle im Vakuum beziehungsweise ein Fischbrötchen entschieden hatten, konnten wir unsere Wanderung fortsetzen.

Nicht viel später waren wir im Zieldorf Katzhütte angekommen. Unser Arno bot zwei Alternativen an. Die erste war, in einem Lokal etwas oberhalb des Ortes einzukehren, die zweite war, das Lunchpaket auszupacken, anschließend das Heimatmuseum besuchen und dann noch eine kurze Talwanderung anzuschließen.

Nein, da war nichts schlimmes, auch wenn alle so böse schaun

Wegen des Lunchpakets entschieden wir uns für Möglichkeit B, also erst mal Rast.

und es ist eine glatte Lüge, wenn jetzt jemand behauptet, dass wir nur am Essen sind!

Eine halbe Stunde später brachen wir auf in Richtung Heimatmuseum. Dummerweise war dies geschlossen und wir hatten auch nichts vereinbart. Deshalb mussten wir draußen bleiben.

Arno gab alles und rief die drei Telefonnummern an, die am Fenster klebten und die Auskunft geben sollten. Doch, leider, leider blieb uns das Museum verschlossen.

Na gut, setzten wir also die Wanderung fort. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass wir nun doch die Tour kürzen mussten, denn sonst würden wir mit der Bahn ein Problem bekommen. Also ließen wir ein Tal aus und erreichten so den Bahnhof Katzhütte so pünktlich, dass wir dem vorherfahrenden Zug noch nachwinken konnten.

Auf und ab in Thüringen nicht zu knapp

Macht nichts, wir waren noch voll im Plan. Die Bahn auch! Ich muss wohl nicht erwähnen, dass die Kaffeeverkäuferin der Bahn wieder an Bord war.

Die Fahrt dauerte nicht lange und schon waren wir wieder am Bahnhof Obstfelderschmiede. Oh, welch ein Glück, die Bergbahn nach oben stand noch dort. Sollten wir tatsächlich einen Zug früher bekommen? Planmäßige Abfahrt um 16:30 Uhr, jetzt war es 16:34 Uhr. Unsere Schwarzatalbahn hatte sich ja auch schließlich alle Mühe gegeben, ja nicht zu früh an der Talstation anzukommen.

Der Zug ist bestimmt schon ganz in der Nähe

Und was war, die Bahn stand, wir auch, und zwar vor der Eingangstür. Keiner ließ uns rein, die Bahn fuhr ohne uns ab. Unser Wanderführer Arno konnte gar nicht fassen, was da gerade passierte und meinte noch, dass wir den falschen Eingang genutzt hätten. Hatten wir aber nicht. Arno hatte sich aber auch noch mal davon überzeugt.

Was solls. Die nächste Bahn fuhr ja bereits um 17:00 Uhr und damit sollten wir ein Riesenglück haben. Die nette Zugführerin vom Donnerstag hatte wieder Dienst und brachte uns mit Spaß und Erklärungen zur Bergstation.

Sind die drei nicht ein herrliches Motiv?

Hier hieß es nun Abschied von Arno zu nehmen, denn jetzt teilte sich die Gruppe. Die eine Hälfte wollte direkt ins Hotel zurück. Die andere Hälfte wollte im Bistropawagen noch eine Tasse Kaffee trinken.

Schade, mit dem Abschied von Arno hieß es für uns auch schon fast Abschied von Thüringen zu nehmen.

Doch soweit war es ja noch nicht. Erst genossen wir noch unseren Kaffee, fuhren anschließend mit dem Elektrotriebwagen nach Cursdorf. Dort erwartete uns um halb acht auch noch ein superleckeres Thüringer Büffet. Einziges "Problem" war, dass heute eine Busreisegruppe angekommen waren, die ihr Abendessen eine halbe Stunde früher angesetzt hatten. Da waren wir die dummen. Typisch deutsch, wer sich schon mal angestellt hatte, der muss dies nicht noch einmal tun, egal ob sich da 12 hungrige Männer angestellt haben. Eigentlich noch ein Grund mehr, um eine Abneigung gegen die Essensform zu haben.

Aber, es war reichlich und so wurde auch jeder satt.

Der letzte Abend neigte sich dem Ende. Schade!

Sonntagmorgen, 8 Uhr, wie gewohnt das Frühstück. Heute hatten wir bis zum loslaufen etwas mehr Zeit, denn packen sollten wir auch noch. Freundlicherweise durften wir aber unser Gepäck in den Zimmern stehen lassen.

Der Sonntag stand unter dem Wandermotto: "Das Finale". Dies war es auch wirklich. Der kleine Spaziergang führte uns zunächst durch den Ortskern hinein in das Tal der weißen Schwarza, einem kleinen Flüsschen, dem wir bei der Samstagswanderung bereits begegnet waren.

Blick auf die Cursdorfer Kirche

Weiter ging es vorbei an der Jugendsprungschanze hinauf auf die Höhe von Cursdorf und schon standen wir bereits wieder, viel zu früh, in Cursdorf. Nun hatten wir noch eine Stunde Zeit, die wir für einen Spaziergang in den nächsten Ort nutzten. Oberweißbach hieß dieser und hier konnten wir noch einen schnellen Blick in die größte Stadtkirche Thüringens werfen.

Einblick in die größte Stadtkirche Thüringens in Oberweißbach

In Windeseile mussten wir dann allerdings nach Cursdorf fast schon recht zügigen Schrittes huschen, denn um viertel nach elf waren wir mit der Hotelwirtin bezüglich der Einnahme eines verfrühten Mittagessens verabredet.

Pünktlich, fast zwei Minuten zu früh, fanden wir uns bereits wieder im Hotel ein. Es folgte das bittere Abschiedsessen. Nein, nicht das es nicht lecker war. Die Stunde des bitteren Abschieds war gekommen. Nach dem Mittagessen stand nämlich schon die Fahrt nach Erfurt auf dem Programm.

Rasch hatten wir uns von der Hotelwirtin verabschiedet. Und genauso rasch standen wir am Haltepunkt der Bahn. Pünktlich wie wir es von den letzten Tagen gewohnt waren, fuhr diese ab und bereits einige Minuten später waren wir auch schon an der Bergstation der Bergbahn eingetroffen.

Na, welch Überraschung! Die total nette Zugführerin hatte wieder Dienst und begrüßte uns sehr herzlich. Erklären musste sie diesmal nichts, "die Herren kennen sich ja aus!" Während der Talfahrt hatten wir richtig Spaß mit ihr gehabt. Schade, dass die Fahrt so schnell vorbei war.

Ne reichliche Viertelstunde (18 Minuten) später waren wir im Tal an der Station Obstfelderschmiede angekommen. Diesmal hatten wir nicht so lange Aufenthalt, wie wir es von den vergangenen Tagen gewohnt waren. Nach 16 Minuten kam bereits die Schwarzatalbahn in Richtung Rottenbach. Und - richtig geraten - die Kaffeeverkäuferin der Bahn begleitete uns wieder, und konnte auch diesmal wieder einige Tassen Kaffee für uns durch den Zug tragen.

Wie gewohnt, wir warten auf die Bahn

Bis Erfurt mussten wir noch einmal umsteigen, alles relativ unspektakulär, wenn man mal von einer kleineren Auseinandersetzung mit einigen Jugendlichen absieht. Diese hatten die Musik so laut aufgedreht, dass es nicht gerade schön war. Ein taffer Wanderer unserer Gruppe schriet ein und rief laut durch den Wagen im Frankfurter Dialekt: "Mädels, des nervt!", woraufhin diese im Thüringer Dialekt erwiderten: "Was will der, ich verstehe kein Wort, der soll erst mal richtig Deutsch lernen, wir sind hier in Thüringen!"

Die Fahrt ging vorbei, am Ende stellten wir fest, dass bei dieser Gruppe gar nicht so viele Mädels dabei waren.
Erfurt, Koffer in die Schließfächer einsperren, Stadtbesichtigung.

Der erste Weg führte vorbei an der Barfüsserkirche hin zur Predigerkirche. Gegen eine Gebühr von 1 € durfte man sogar Fotografieren. Natürlich nicht mit Blitzlicht. Dummerweise hing das Schild an ungünstiger Stelle, so dass wir es nicht lesen konnten und munter drauf los knipsten. Einzig als ein Teilnehmer mit Blitzlicht fotografierte gab es eine mündliche Verwarnung. Lange konnte die Besichtigung nicht dauern, denn die Kirche schloss bereits um 16 Uhr.

Mehr Zeit konnten wir uns für die Besichtigung des Doms lassen. Diese Zeit nutzten wir auch. Gerhard gab zu einigen Punkten sachliche Informationen, so dass auch der Sonntag ein klein wenig im Zeichen der Bildung stand.

Blick in den Erfurter Dom

Ursprünglich stand nun im Programm, die alte Krämerbrücke zu besichtigen. Viel erkennen konnten wir allerdings nicht, denn Erfurt lud genau an diesem Sonntag zum Brückenfest ein. Entsprechend voll war es auch in der Stadt.

Zu voll, um mit der Gruppe sinnvoll durch die Stadt zu laufen, die Zeit zu kurz um sich zu trennen und jedem allein die Besichtigung allein zu überlassen. Wir entschieden uns für einen Spaziergang über die Brücke. Anschließend dann aber zu Bier, Thüringer Rostbratwurst und Eis.

Am Rostbratwurststand konnten wir lernen, wie man seine Kunden schnell und effizient bei minimalem Personaleinsatz bedienen kann. Man stelle sich eine typische Thüringer Rostbrathüttenverkaufsstelle vor. Zwei Personen. Man stellt sich an. Kollege 1 kassiert und legt ein bereits aufgeschnittenes Brötchen auf ein Tablett. Kunde nimmt das Brötchen dort weg und klappt es auf dem Weg zum Kollegen auf. Dieser steht unmittelbar neben Kollegen ein und hat bereits die Wurst in der Zange. Der Kunde hat es inzwischen geschafft, seine Brötchenhälfte aufzuklappen, die Wurst aus der Zange landet im Brötchen. Jetzt geht der Kunde mit Serviette, Brötchen, Bratwurst um die Ecke um das ganze noch mit Senf zu verfeinern. Fertig ist der Kaufvorgang. Wir waren mit 10 in maximal 2 Minuten mit einer Wurst versorgt.

Nach diesem Aufenthalt fanden wir, dass es an der Zeit wäre, den Rückweg auf uns zu nehmen.

Der kleine Plan brachte uns ans Ziel

Absolut pünktlich trafen wir am Bahnhof ein. Und jetzt stellte uns die Bahn eine große Herausforderung. Zunächst lasen wir an der Anzeigetafel, dass der Zug nach Saarbrücken in umgedrehter Wagenreihung fährt. Dazu muss man wissen, dass der Zug nach Wiesbaden, der gleiche wie nach Saarbrücken ist und in Frankfurt getrennt wird. Bis hierhin war es noch nicht wirklich kompliziert, denn unser Zug war ja korrekt.

Angekommen auf dem Bahnsteig führte unser erster Weg zum Wagenstandsanzeiger. Aha, da müssen wir noch ein Stück nach hinten. Gesagt, gelaufen. Nanu, der Zug nach Wiesbaden fährt ebenfalls in umgedrehter Wagenreihung. Was denn nun? Fährt der Zug nach Saarbrücken diesmal hinten? Wir waren überfordert! Martin entschied sich, am Servicepoint nachzufragen. Minuten später kam er mit der Information zurück, dass lediglich die erste und zweite Klasse getauscht seien. Na ja, lediglich bedeutet in diesem Fall, dass das Zug komplett umgedreht ist. Das nächte Mysteriöse war, dass der Zug nach Saarbrücken fünf Minuten verspätet eintreffen sollte, was aber beim Zug nach Wiesbaden nicht stand.

Umgekehrte Wagenreihung bedeutete für uns dann aber auch, nach hinten zu laufen. Machten wir auch.

Kurz vor Einfahrt des Zuges dann eine menschliche (!!!) Durchsage. Der Zug nach Saarbrücken fuhr so, wie es am Anzeiger stand. Der Zug nach Wiesbaden in der richtigen Wagenreihung. Für uns hieß es deshalb den Bahnsteig wieder vom Ende in die Mitte zu sausen.

Endlich konnten wir einsteigen und oh Wunder, all unsere reservierten Plätze waren tatsächlich frei. Kein Kampf, keine Schlägerei. Wir konnten uns einfach hinsetzen.

Bild

Während der Fahrt versuchte der Zugchef die Fahrgäste von einem Kombinationsessen in Form einer Frikadelle im Brötchen und einem Bier sowie leckerem Fleischkäse im Brötchen zu überzeugen.

Etwas über zwei Stunden später verließen uns bereits die ersten wieder in Frankfurt, während der Rest weiter in Richtung Mainz und Wiesbaden fuhr. Kurz vor Mainz kamen wir dann auch noch in den Genuss einer Mitteilung des Zugchefs: "Sehr geehrte Fahrgäste, wegen Brückenab-, wegen Brückenbauarbeiten ist der Zug soeben zum stehen gekommen-" Gut, dass die Brücke nicht wirklich abgerissen wurde, denn sonst hätten wir jetzt ein Problem gehabt.

Mit neun Minuten Verspätung erreichten wir schließlich Mainz, wo uns die nächsten Wanderer verlassen mussten. Hinüber nach Wiesbaden waren wir am Ende nur noch zu dritt. Deshalb war der Abschied in Wiesbaden dann auch kurz und schmerzlos gegen zwanzig vor Zehn.

Hinter uns lagen vier Tage Wandern im schönen Thüringer Wald, mit viel wissenswerten, meist gutem Wanderwetter und viel Spaß.

Schade, dass solche Veranstaltungen immer so schnell vorbei sind. Erst plant man sie lange bis ins Detail und dann dreht man sich drei Mal rum und schon ist alles vorbei.

Dafür beginnt schon demnächst wieder die Planung für die nächste Mehrtagestour 2010.

Leitung: Hotti

Bericht: Hotti

Bilder: Hotti und mit freundlicher Genehmigung von Frau Henkel, Glasapparatemuseum Cursdorf, Frau Martin, Verein "Olitätenlandhexen, Bad Blankenburg sowie dem regionalen Förderverein Olitätenwege im Thüringer Kräutergarten