Wanderung ohne Leitung - ja geht das denn?


5. Februar 2006


Wenn morgens um halb acht das Telefon läutet, dann bedeutet dies in aller Regel nichts Gutes. Wenn noch dazu an diesem Tag eine Wanderung auf dem Programm steht, dann bedeutet dies in aller Regel, dass da ein Teilnehmer absagen möchte.

Was ist aber, wenn Morgens um halb acht das Telefon läutet, es sich tatsächlich um jemanden handelt, der Absagen möchte, und dieser jemand ausgerechnet der Mensch ist, der die Tour für diesen Tag geplant hat, den Abschluss organisiert hat und die Tour leiten sollte?

Dann fährt man als Organisator der Streetmillboys ganz einfach gut gelaunt zum Treffpunkt, in diesem Fall dem Wiesbadener Hauptbahnhof, begrüßt freundlich die Teilnehmer, steigt mit diesen in den richtigen Zug, fährt nach Mainz, begrüßt dort ein paar weitere Teilnehmer, fährt mit dem Zug nach Bad Kreuznach und begrüßt dort die letzten Teilnehmer.

Und dann? Dann steht der Organisator ratlos vor dem Bad Kreuznacher Bahnhof, erklärt den Teilnehmern dass der Tourenleiter leider absagen musste und dass wir die Tour auf eigene Faust ohne irgendwelche Streckenkenntnisse durchführen.

Na ja, so ganz ohne Streckenkenntnisse war ich nicht, wie ich zugeben muss, denn in den vergangenen Jahren waren wir bereits mehrfach am Rotenfels und auch den Rheingrafenstein hatten wir bereits mehrfach im Programm.

Aber wie um Himmels Willen kommt man vom Kreuznacher Bahnhof dort hin?

Ein Mitwanderer war schon mal in Bad Kreuznach und konnte uns den Weg in Richtung Nahe weisen. Wobei wir nicht gleich starten konnten, denn auf Grund meiner kurzzeitigen Ratlosigkeit sind gleich einige Herren losgeeilt um in der Bahnhofsbuchhandlung eine Karte käuflich zu erwerben. Kann man ja schließlich immer mal brauchen!

Der Versuch, den Tourenleiter via Handy zu erreichen scheiterte an der Mailbox. Doch siehe da, als hätte er es geahnt, es vergeht keine Minute und das Handy gab fröhlich seine eingestellte Melodie von sich und unser Tourenleiter war am Apparat.

Dieser versuchte, mich über den Weg aufzuklären. Na ja, dass ist ja so eine Sache mit dem Behalten von Wegen. Immerhin konnte ich mir behalten, dass wir an der Kirche die Straße überqueren mussten und dann durch die Fußgängerzone, die ich allerdings an anderer Stelle vermutet hatte, irgendwann die Nahe erreichen würden. Dort sollten wir nach Links in die Klappergasse einbiegen. Sind wir ja auch, war aber nicht die Klappergasse, deswegen mussten wir wieder umdrehen und ein Stück zurück. Macht nichts, so hatten wir die letzten wenigstens wieder bei uns.

Über die Brücke drüber fanden wir dann auch die Klappergasse. Hatte ich es nicht so erklärt bekommen? Jetzt fanden wir auch den Panoramaweg. Ich wusste, hier sind wir richtig. Fein, dass die Bad Kreuznacher so schöne Schilder angenagelt hatten, denn jetzt war es ganz einfach. Wir mussten einfach nur noch der Beschilderung Richtung Rotenfels / Bastei folgen und schon sollten wir auf dem rechten Wege sein. Wie in der Ankündigung beschrieben ging es recht steil bergauf. Auf Grund der Witterungsverhältnisse ein nicht unbedingt einfaches Unterfangen.

Bild 1

Bild 2

Bild 3


Im Programm stand eine Einkehr in die Bastei. Das Schild wies in Richtung Bastei, aber da ging es ja steil hinunter, und glatt sah es auch noch aus. Nein, die durchaus spontan durchgeführte repräsentative Umfrage ergab sogleich. Einkehr, nein Danke. Wir wollen am Felsen Speis und Trank verzehren! Schließlich hatten wir es ja dafür bis nach Kreuznach gekarrt.

Also weiter auf dem nicht so glatten Weg, vorbei an einem Haus. T. meinte aus der Entfernung, dass ist bestimmt ein Kindergarten! Hier werden die Kinder in den Wald gebracht. Tatsächlich, dass Schild über der Tür sagte aus, dies ist ein Walldorf-Kindergarten. Wir gingen aber weiter!

Kurze Zeit später erreichten wir schließlich den Rotenfels und bestaunten die Sicht auf die andere Naheseite. War ein bisschen diesig, deshalb war nicht so gut weiter zu schauen.

Unsere Rast wollten wir aber ein Stückchen weiter hinten machen. War ganz schön schwierig, wegen des Glatteis auf dem Weg, dort hin zu kommen. Dies schafften wir aber ohne Stürze. An einer wunderschönen Stelle oberhalb von Bad Münster / Ebernburg rasteten wir.

Die große Frage war nun, wie kamen wir da runter, denn laut Programm sollten wir noch auf den Rheingrafenstein, welcher auf der anderen Seite liegt. Inzwischen hatte ich meine nicht vorhandene Orientierung mal wieder verloren. Gut, ich wusste, wir müssen da irgendwie runter.

Kamen wir ja dann auch. Nur leider kamen wir dabei auch ein klein wenig vom Weg ab und kamen nicht direkt in Bad Münster raus sondern eher in Traisen. Aber war ja Wandertag und die Nahe konnten wir auch wieder finden. Aus der Ferne hatten wir eine Kirche gesehen, diese war mein nächstes Ziel! Kamen wir auch ganz gut hin. Und nun immer dem Gefühl nach, und da war sie, die Nahe. Dieser folgten wir und kamen so nach Bad Münster.

Bild 4


Bild 5


Bild 6


Leichter Schneefall hielt uns nicht vom Weiterlaufen ab. Irgendwann standen wir vor einer Brücke, welche ich zielsicher von der Gruppe überqueren ließ. Auf der anderen Seite der Nahe ging der Weg weiter. Dummerweise sah ich erst jetzt, dass unser nächstes Ziel genau gegenüber war. Aber wir wollten eh nicht mehr nach oben krabbeln. Viel zu glatt!

Nun wanderten wir in Richtung Bad Kreuznach. Upps, da stand doch auch schon das Hinweisschild des Lokales, wo wir unsere Abschlusseinkehr geplant hatten. Jetzt war es nicht mehr weit.

Angesagt waren wir für 17 Uhr - angekommen sind wir um 15 Uhr. War aber kein Problem, wir konnten trotzdem aufgenommen werden.

Suppen Michel hieß dass Lokal, welches sich durchaus auch mal für einen Sommerausflug anbietet, da man schön draußen sitzen kann und die Bedienung besonders nett ist. Die Karte ist umfangreich - wer damit rechnet, nur Suppen auf der Karte zu finden, liegt allerdings verkehrt, denn die Karte bietet alles. Vom Schnitzel bis zum Wurstebrot.

Da es noch relativ früh war entschieden wir uns, die Tour von hier aus weiter fort zu setzen und nicht, wie eigentlich geplant, ab hier den Bus zu nehmen. Um halb fünf ging es also weiter, um zwanzig nach fünf erreichten wir den Bad Kreuznacher Bahnhof.

Bild 7


Bild 8


Bild 9


Hinter uns lag eine Tour, wie wir sie in dieser Art noch nicht gehabt hatten. Immerhin haben wir es geschafft, die Wanderung fast laut Programm abzulaufen und das ohne einen blassen Schimmer, welcher Weg der richtige ist. Zugegeben, die Beschilderung in Bad Kreuznach ist sehr gut. Ohne diese hätten wir es wohl eher nicht geschafft.

Übrigens, unser ausgefallener Tourenleiter hat sich dann am Bad Kreuznacher Bahnhof doch noch gezeigt, aber da kam schon fast der Zug, somit konnte er uns den Weg nicht mehr zeigen.

Bericht und Bilder: Hotti