Von Höhepunkt zu Höhepunkt


19. Juni 2005


300 Millionen Jahre brauchte der Taunus um das zu werden, was er heute ist - eine überwiegend sanfte Landschaft, ein dominierender Kamm, enge und weite Täler. - Genau das Richtige für uns.

Bilderbuchwetter und ein Sonntag mit einer Wanderung der Streetmillboys. Was gibt es Schöneres?

Erneut hat das bewährte Team Peter und Willi eine schöne Strecke für uns zusammengestellt. Ein herrlicher Tag ist vom Wetterbericht angesagt und so soll er von Anfang bis Ende bleiben, keine Wolke wird sich am blauen Himmel zeigen. Erwartungsvoll finden sich 15 Streetmillboys und die Hündin Pebbles am Parkplatz gegenüber der Kronthal-Quellen vor Mammolshain ein. Karl-Heinz und Dieter können allerdings heute nur den liebenswürdigen Empfang der wanderfreudigen Boys mit gestalten und wir freuen uns, sie das nächste mal wieder so herzlich begrüßen zu dürfen.

Wir ziehen los durch den Talgrund. Die einst so reichlich sprudelndem Quellen tröpfeln nur noch, werden neu gefaßt und gestaltet und von einem Abfüllbetrieb als Trinkwasser verkauft. Gleich geht es den ersten Berg hinauf, eine C- Wanderung ist angesagt und nichts anderes soll es werden. Die ersten Obst- und Kastanienbäume erwarten uns in dieser dafür bekannten Gegend und ein wunderbarer Blick auf die Burg Kronberg mit der darunter liegenden Altstadt.

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Eine Wiese mit kleinen Erläuterungen der Obstbäume, Pflanzen und Bienen wird erforscht von neugierigen Jungs, die wohl ihre Nase in jedes Single-Wohnheim stecken müssen und sei es das von kleinen, brummenden Insekten. Heute scheinen nähere Kontakte mit den Bewohnern auszubleiben.

Zwischen Schrebergärten gelangen wir zu den ersten Anwesen, die in einer der reichsten Gegenden Deutschlands liegen. Abwechslungsreich folgen wir verträumt einem lustig dahin plätschernden Bach mit dicken Kopfweiden, steigen steil den Berg hinauf und kommen in die Altstadt von Kronberg, wo man sich schon mal im Schatten eines großen Baumes ausruhen möchte.

Kronberg im Taunus ist keine typische deutsche Kleinstadt. Die Stadt hat seit ihrer Entstehung im 13. Jahrhundert im großen und ganzen eine besondere Entwicklung erlebt. Kronberg im Taunus ist eine junge Stadt. Mit Gründung der Burg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand unterhalb eine Siedlung, das "Tal". Kronberg war bis zum Aussterben des Rittergeschlechts im Jahre 1704 Reichslehen, denn dieses Stück Reichsgebiet wurde von den Kaisern direkt an die Ritter vergeben. Die bescheidene Ansiedlung von Bauern, Handwerkern und Kaufleuten wurde schon 100 Jahre später zur Stadt - die Herren von Kronberg bekamen die entsprechenden Rechte als Dank des Kaisers für geleistete Dienste. Das Rittergeschlecht wurde immer wohlhabender und immer mächtiger und leistete sich eine im Verhältnis zur Größe der Stadt beachtliche Burg.

Nach 1704 fiel Kronberg im Taunus an das Erzbistum und Kurfürstentum Mainz, war anschließend nassauisch und wurde 1866 preußisch. Im 19. Jahrhundert setzte eine Entwicklung ein, der die Stadt weitgehend ihr heutiges Gesicht verdankt. Mit der Gründung der Malerkolonie und der Ansiedlung wohlhabender Frankfurter Familien sowie dem verhältnismäßig frühen Bau der Eisenbahnlinie nach Frankfurt am Main wandelte sich Kronberg im Taunus vom beschaulichen Handwerker- und Bauernstädtchen zum repräsentativen Wohnort vor den Toren der Metropole Frankfurt. Einer der Höhepunkte dieser Epoche war die Entscheidung von Victoria Kaiserin Friedrich (1840 - 1901), der Witwe Kaiser Friedrichs III., hier ihren Alterssitz Schloss Friedrichshof zu errichten.

Außer dem Handwerk bestimmten Obst-, Acker- und Weinbau den Charakter der Stadt. Durch den Obstanbau seit dem 18. Jahrhundert wurde Kronberg im Taunus weithin bekannt, dies vor allem durch den evangelischen Pfarrer Johann Ludwig Christ. Dazu kamen die von Johann Wolfgang von Goethe geschätzten Edelkastanien und das Kronthaler Mineralwasser. Bis heute berühmt sind die Kronberger Erdbeeren, während der Weinbau schon länger eingestellt wurde.

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Wir wandern das Tal hinauf zur Altstadt und wieder hinab in den großen Park, wo H.-P.-H. zu uns stößt, die kleine Verzögerung wird gerne im Schatten der großen Bäume verbracht. Die Häuser hier sind schon außergewöhnlich: Wie kann man als Mensch so etwas bewohnen, instandhalten, bewirtschaften. Erstaunlich! Ortsteil Schönberg und nun geht es in den heute angenehm kühlen Wald, natürlich wieder mit leichter Aufwärtsbewegung, vorbei am Haubergstein (Naturdenkmal) auf den Hünerberg (375m) oder Hühnerkopp, der seinen Namen einem keltischen Ringwall verdankt.



Der Hünerberg ragt aus dem vom Altkönig herabstreichenden Taunushang als felsiger isolierter Höhenrücken hervor. Er bietet mit seinen bis zu 30 m hoch gestuften Felsabstürzen im Norden, Westen und Süden eine natürliche Schutzlage und wurde deshalb immer wieder von Menschen bei Gefahr oder als dauerhafte Wohnstätte genutzt.

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Einem Weg nach links folgend erreichen wir auf der Anhöhe eine Bank mit Tisch, darauf befindet sich ein Herz und eine Widmung: "dem alten Erich". Träumend blicken wir weit in die Ebene hinunter, vor uns die hochaufragende Kronberger Burg, endlos der Horizont. Neben den hellen Lichtflecken des schattigen Waldes ruhen erneut, vollkommen entspannt, zufriedene Männer. Peter und Willi haben volles Verständnis für die Pausierfreudigkeit, nie kommt Eile auf, jeder kann diesen Tag ganz genießen, mit der Gruppe im hier und jetzt.

Der Untergrund ist zunehmend felsig, ehemaliges vulkanisches Gestein, doch der Weg gut zu laufen, hinüber zum Bürgelstollen und dem Viktoriatempel, am Fuße des Altkönigs. Der tiger freut sich ebenso königlich wie dieser Tempel und weiß warum: sein Lieblingsberg und ein Ort mit vielen Erinnerungen und wieder ein Höhepunkt mit herrlichen Ausblicken und kleinen Einblicken.

Über Waldwege, an steinernen Stufen vorbei, die wie bei einer Sonnenpyramide hinauf führen, gelangen wir zu einem alten jüdischen Friedhof, hier mitten im Wald. Keiner der Grabsteine steht noch wirklich aufrecht, kleine Erinnerungssteine an den Grabstätten. Gedenken der Verfolgung Andersdenkender im III. Reich. Wir sind froh im Jetzt, wissen nicht was kommt, nur was war.

Ohne weitere Bergwertungen kommen wir nach Falkenstein, wieder an einem Friedhof vorbei, sehen friedlich ein Reh über den Weg laufen und die Burgruine vor uns, gehen am historischen Kempinski-Hotel und dem belebten Swimming-Pool entlang. Kaum Bekleidetes rekelt sich da im wohligen Nass oder der warmen Sonne. Der adrett angezogene und anzusehende Page am Hoteleingang freute sich über die schmunzelnde Aufmerksamkeit der vorbeiziehenden Männer, die nun frohen Schrittes zur Burg ziehen.

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Falkenstein, höchstgelegener und waldreichster Stadtteil Königsteins, hieß bis ins 17. Jahrhundert "Nürings". Vom mächtigen und heute noch gut erhaltenenen Bergfried hat man eine phantastische Fernsicht in die gesamte Rhein-Main-Ebene.....



..... die heute nicht zu überbieten ist, ein neuer Höhepunkt der Tour und ebenfalls ein wunderbarer Ort für eine Rast. Sonne kann heute jeder im Überfluß tanken und wer genug hat, streckt seinen Astralkörper im Schatten aus.

Und wieder können wir uns aufraffen, dem herrlichen Blick vorübergehend Adieu sagen und weiter laufen. Links geht es zum Gaugrafen von Nürings, die um 1100 einen Wohnsitz auf dem heutigen Burgberg hatten, jedenfalls müssen hier die Reste der damaligen Anwesen zu finden sein. Wir besteigen das nächste Highlight, den Dettweiler Tempel. Direkt vor uns der Opel-Zoo: "Wo sind denn die Elefanten?" Die müssen wohl umgezogen sein auf den gegenüberliegenden Felsen des Dettweiler Tempels, denn da sind gerade die Affen los.

Der Wald ist hier naturbelassen, große alte knorrige Bäume ragen blattlos in den Himmel, doch genügend Grün sorgt für die nötige Frische und Abwechslung, bevor wir zu einem Aussichtspunkt direkt über dem Königsteiner Kurbad kommen und die nächste Burg im Blickfeld haben: Königstein.



Der heilklimatische Kurort Königstein mit seinen Stadtteilen Falkenstein, Mammolshain und Schneidhain liegt 400 bis 700 Meter über den Ebenen von Rhein und Main eingebettet in die waldreichen Hänge des südlichen Hochtaunus. Die Nähe zu Frankfurt macht die Anreise leicht. Königstein mit seinen malerischen Altstadtgassen ist der ideale Ausgangsort für Wanderungen, Radtouren und natürlich Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung. Das Wahrzeichen der Stadt ist die viel besuchte Burgruine Königstein, die zweitgrößte Festungsruine Deutschlands. Vor dieser einmaligen Kulisse werden zahlreiche kulturelle Events veranstaltet.



Neidisch in den Whirlpool schielend laufen wir daran vorbei und erfrischen uns, statt mit Wasser, mit einem leckeren Eis an der Eisdiele in Königstein. Der Kurpark liegt malerisch in der Sonne, das Schweizer Haus, das Luxemburgische Schloß, Blumenrabatten, ein Springbrunnen. Die männlichen Ritter zieht es zur Burg, wo die Burgfrolleins auf die ausgezogenen Ritter warten, doch diese verziehen sich lieber in die dunklen Gänge der Kasematten, tasten sich an den Wänden und am Vordermann entlang. Ach, ist das schön.

Über die enge und steile Treppe erklimmen wir den Burgturm, erneut ein Höhepunkt: Im Rücken der Feldberg, Altkönig, Rossert, vor uns die gesamte Rhein-Main-Ebene, den Flughafen, die silbernen Vögel beim Starten und beim Landen, blaue Berge von Odenwald, Rhön und Rheinhessen am Horizont. Tafeln erläutern den grandiosen Blick und jeder findet noch etwas, worauf er den Nebenmann aufmerksam machen möchte. Was von so einer Burg alles zu sehen ist und was man nicht alles darin finden kann. Bestimmt liegt in irgendeiner Ecke noch ein altes Gerippe, das nachts alleine durchs Gemäuer streicht, vielleicht schaut es neidisch durch ein altes Astloch auf die Männergruppe: ‚Ach könnte ich doch nur mit denen jetzt weiterziehen'. "Liebes Gespenst, das können wir gut verstehen, vielleicht im nächsten Leben."

Noch einmal durch den bunten Kurpark, ein netter Blick und der Kommentar eines Wanderers: "Das ist ja hier wie in Kapstadt". Der tiger lächelt. Am Königsteiner Kreisel vorbei laufen die Streetmillboys zum Hardtbergturm hinauf. Das ist nun aber heute wirklich der letzte Höhepunkt dieser Wandertour. Einige sind schon müde und lassen die besonders Kletterlustigen alleine den Turm hinauf, die Sicht ist nicht ganz so üppig, wie von den vielen anderen Ausblicken, da die Bäume schon etwas hoch gewachsen sind.

Schnell geht es nun bergab, an großen, alten, vom Wind oder dem wütenden Taunus-Riesen gedrehten, Bäumen vorbei. Zwischen Kronberg und Mammolshain hinab zu den Quellen nach Kronthal. Jetzt müssen wir nicht mehr bergauf, sondern können uns geradewegs in das Gartenlokal unter die großen Kastanien setzen und ein Kühles zischen. Der kleine Hunger wird ebenfalls gestillt und wem's nicht reicht, holt sich Nachschlag.

Warum ausgerechnet T. baden mußte verstand der kleine tiger nicht, aber als Katze war er froh trocken geblieben zu sein und rekelte sich lieber wohlig auf seiner warmen Bank.

Ein rundum, ausgesprochen schöner Tag, ohne Hast und Eile, alle Höhepunkte genießend, gut ausbalanziert und zusammengestellt.

Wieviel Kilometer? Vielleicht 18. Welche Zeit und Höhenmeter? Ach egal und die halbe Stunde früher hat, außer H.-P.-H., niemand gestört, möglich, dass es deswegen so entspannt war, trotz der vielen rauf und runter dieser C-Wanderung der S-Klasse. Was sagt Hotti's Meßgerät? 691 km in 5 Stunden! Das macht uns niemand nach.

Lieber Peter, lieber Willi: ein tiefer Diener, ein dickes Dankeschön und eine leise Vorfreude auf Eure nächste Tour.

Erlebt und beschrieben vom kleinen tiger.

Bilder: Ralf und Matthias, von diesem und von jenem