Abenteuerwanderung Schweizertal bei Bad Ems


17. April 2005


Eine Frühlingswanderung im Westerwald, unter der hoch geschätzten Leitung des Streetmillboys-Chef Hotti, ist angesagt. 21 lustige Wandergesellen nehmen den doch teilweise recht weiten Anfahrtweg auf sich und treffen sich am Bahnhof von Bad Ems. Es ist zwar bewölkt und die Temperaturen nicht ganz so verwöhnend, wie die Tage zuvor, doch das tut den warmen Gefühlen in der Gruppe keinen Abbruch.

Bad Ems, eine ehemals blühende Kurstadt, besucht von den Reichen und Wohlhabenden aus aller Welt (siehe russische Kapelle), dümpelt nunmehr einer unsicheren Zukunft entgegen. Skurrile Neubauten, Straßenverlegungen, bizarre Plätze ohne Charme und wieder herrliche Villen aus vergangenen Zeiten prägen mit einer Spielbank, fast verfallenen Prachtbauten und viel zu großen Hotels das Stadtbild. Der kleine tiger erinnert sich an die tschechischen Bäder Karlsbad, Franzensbad, Marienbad, kurz nach Öffnung des Ostens und dem Untergang des Kommunismus. Hier scheint sich die Geschichte umzukehren. Der Spätkapitalismus, in dem sich nur Wenige, viel leisten können, saugt alles auf. Uns stört das alles nicht. Wir ziehen vorbei am Bahnhof und lassen die Stadt neben uns und unter uns, immer mehr im Dunst verschwinden und gelangen, an einer Großbaustelle gelegen, zu einer stillgelegten, alten Bergbahn, ganz ähnlich der Nerotalbahn in Wiesbaden.

Links und rechts wird der Berg plötzlich mit Beton abgestützt, kein Geländer, kein Zaun und der Weg wird immer schmaler, bis es so eng ist, daß alle Boys über eine lange Hühnerleiter abwärts steigen müssen. Außer Hotti und ein paar wenige, die die Tour in ähnlicher Form vor 6 Jahren gelaufen waren, weiß wohl niemand, daß es heute weitere Hindernisse, in abenteuerlicher Weise, zu bewältigen gilt.

Kleine Rast an einem Sportplatz, wo sich leider keine Männer mit entzückenden Körpern zeigen oder gar scharenweise umarmen, nur weil ein kleiner Ball, "aus Versehen", ins richtige Tor rollt. Interessiert sich jemand für Fußball? - kaum, aber für Männer. Auf dem Feld herrscht heute Ruhe und Frieden, nur die kleinen Tribünenbänke zeigen zufrieden kauende, eng aneinander geschmiegte, lachende Gesichter. Bis es heißt: "Weiter geht's".

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Schöne Waldwege laufen wir entlang, bis es sich serpentinenartig den Berg hinaufzieht, zu einer kleinen Kapelle mit schöner Aussicht, die der Dunst uns leider etwas nimmt. Enge Pfade hinab, das breite Tal verlassend, kommen wir in das Schweizer Tal mit seinen vielen Mühlen, an die Häuser oder Gedenksteine und ein verwilderter Mühlbach erinnern. Eine der Mühlen hieß hier Schlappmühle, wir sind überhaupt nicht schlapp.

Viel hat die Landschaft zurück erobert, die erblühende und neu ergrünende Natur prägt eine verzauberte Felsenschlucht. Farne, Klee, Buschwindröschen, Aronstabgewächse, verschiedener Art, finden sich am Wegesrand. Durch eine weiß blühende Schlehe gelangen wir, wie versprochen, auf eine grüne Wiese mit vielen aufgeblühten Kirschbäumen. So schön. Rast.

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Über Feld und Wald erreichen wir den Malberg 376 m über NN mit einem kleinen steinernen Turm. Phallische Symbole lieben wir ja sehr, nur Pebbles ist sich nicht ganz sicher, ob sie da nun wirklich mit hinauf muß. Dicht gedrängt auf der kleinen Plattform: Streetmillboys in frühlingshafter Natur und Laune. Da muß doch gleich ein Gruppenfoto gemacht werden und sogar das macht Spaß, entspannt, jetzt wo wir schon mal sitzen.

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Die weitere Wegfindung ist, nach Studium der Karte und Orientierung, mehr oder weniger abenteuerlich, da eine Brücke über einer Schlucht zusammen gebrochen ist. Eine dicke Leitung dient wohl am Anfang dazu, sich an dem steilen Hang zurecht zu finden, doch plötzlich endet auch diese "Gehhilfe". Das macht allen Beteiligten Spaß, da gibt es mal eine helfende Hand und viel Gelächter. Es ist doch niemand wirklich ängstlich! Solange wir uns nicht bis in die Dunkelheit im Wald verlaufen. Die ein oder andere interessante Erinnerung wird zur Aufmunterung weitergegeben. Der große schwarze Hund, der auf die Gruppe zu rennt, ist kein Wildschwein mit Frischlingen und ein Zaun ist auch dazwischen. Ich dachte schon.

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So langsam wird es Zeit für einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Es dauert nicht mehr lange und wir erreichen Bad Ems, nehmen den bizarren Charme des Verfalls wahr. Zeit und Alter nagen eben überall. Wie furchtbar! Über die Lahn und gleich auf das größte Hotel zugesteuert, aber das ist jetzt nicht so passend in den Wanderklamotten und den dicken Schuhen. Direkt gegenüber gibt es etwas mit einer Bedienung ..... Hartgesottene sitzen draußen, die Weicheier lieber drinnen.

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Auf der Heimfahrt kommt die Sonne raus. Hat jemand gemerkt, dass die heute fehlte?

Eine schöne Wanderung unter erfahrener Führung, manchmal abenteuerlich, wie versprochen. Der Chef kann es und sollte es, mit reger Unterstützung, noch vielen Streetmillboys zeigen, wieviel Spaß wir in der Gruppe und der Natur haben können.

Erlebt und beschrieben vom kleinen tiger.

Bilder: Ralf