Trulli Wanderung durch die Rheinhessische Schweiz


31. Oktober 2004


Eigentlich muß man sich darauf gefaßt machen: Eine Wanderung mit M. hat immer etwas Besonderes und Überraschungen zu bieten. Ich meine: weiß jemand was ein Trullo ist? Eine Trulla, da kann ich mir etwas drunter vorstellen, aber ein Trullo ... ? Aber eins nach dem anderen. Die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit, also eine Stunde plus, hat dazu geführt, dass mehr Teilnehmer als angemeldet, wohl ausgeschlafen und pünktlich, zum vereinbarten Treffpunkt in Flonheim erscheinen. Der Wetterbericht prognostiziert auflösende Dunst- und Nebelfelder, trocken für die 13 Wanderer, was wollen wir mehr nach den verregneten letzten Tagen.



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Gut gerüstet laufen wir durch Flonheim und erreichen, nach "starkem und kräftezehrenden Anstieg", über einen kleinen, verwundenen Waldpfad den Aussichtspunkt Schauinsland, der uns nur durch M.s Erklärungen erahnen läßt, wie weit wir heute schauen könnten. Wieder hinab, einen Waldlehrpfad entlang, dem Schlangenpfädchen, vorbei an einem alten Steinbruch mit Flonheimer Sandstein und ein neuer Aussichtspunkt. "In diesen Sandschichten lagerten sich Tausende von Muscheln, angeschwemmte Gerippe von Seekühen und anderen Meeresbewohnern der Tertiärzeit ab, auch Haifischzähne". - Was alles an uns vorüberzieht und keiner achtet weiter darauf. Selbst Frankfurt sollte man von hier sehen können, wir sehen gerade mal Bornheim, den Nachbarort von Flonheim. Es folgt der Sedan-Platz, wir erinnern an die Schlacht von 1870/71, dem Sieg der Deutschen und die Gefangennahme Napoleons des III., ein geschichtliches Ereignis, woran man sich in dieser Gegend offenbar gerne erinnert.

Herauskommend aus dem Wald laufen wir nun durch und entlang der Weinberge, die in herbstlichen Farben die große Palette eines höheren Malers zeigen. Da freut sich das Herz jeden Wanderers und dem Geschmack wird auch genüge getan, es hat noch viele Trauben an den bunten Reben. An einer Schutzhütte erahnen wir im Dunst den Donnersberg und wir befinden uns 271 m über NN.


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Die Wege sind leider etwas matschig und langsam werden die Schuhe schwer, doch nach den letzten Regentagen bleibt es heute zumindest von oben trocken und der Nebel lichtet sich immer mehr bis die Sonne heraus kommt. In der Ferne erscheint ein weißes Etwas: Trullo Numero 1.

M. ist bemüht ausführliche Erklärungen dazu zu geben, das elektronische Netz weiß dazu: Der Trullo ist mit das Wahrzeichen von Flonheim. Ursprünglich wurden diese Trulli in alter Zeit von apulischen Arbeitern, die die Steinmetzkunst beherrschten, nach dem Bildnis selbiger in ihrer Heimat angefertigt.

Errichtet wurden Trulli in der sogenannten Kragbauweise, was heißt, dass die flachen Steine nach jeder Lage etwas nach innen versetzt wurden. Krönender Abschluss ist ein Zippus, der aus einem viereckigen Schlussstein und einer Kugel besteht.

Das Ganze mutet in seiner Kragenbauweise sehr an ein phallisches Symbol an, ist begehbar und wurde früher von den Weinbauern als Aufbewahrungsort für Gerätschaften benutzt. Der weiteren Nutzung möchten wir an dieser Stelle mit Hilfe der Phantasie viel Raum geben, von innen heißt es : Doo hott merr jo voll d Dorschblick.....

Wir machen hier erst einmal Rast, denn direkt vor unserem ersten Trullo befindet sich ein Tisch mit Bänken und ringsum wird der "Dorschblick" mit Hilfe der Sonne immer besser. Steil geht der Weg nun bergab, da muß manch einer aufpassen, nicht auszurutschen. Damit erreicht die Wanderung berechtigterweise die Eingruppierung "B".

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Passend zu Halloween wird es nun gespenstisch: Die Geistermühle. Der Mühle wurden 1355 die Wasserrechte verliehen, möglicherweise war sie später einmal ein Kloster bevor sie von verschiedenen Besitzern umgebaut und technischen Neuerungen zugeführt wurde: Turbine, Stärkefabrik, Knochenstampfe ...... Direkt daneben befindet sich im Feld Trullo No. 2, dieses Mal verschlossen. Die Mühle lassen wir mit ihrer "Knochenstampfe" einfach links liegen.

Durch die Weinberge, Felder und Äcker kommen wir nach Wendelsheim. M. weist auf ein hiesiges Barockschloss, irgendwo hat sich Trullo No. 3 versteckt, da hat der kleine tiger wohl geträumt, den hat er verpasst. Am Rande eines Weinberges steht ein neugotisches Weinberghäuschen mit Dachtreppe, kein Trullo, und durch das Feld eilt ein Reh erschreckt davon. Begeistert staunt die Gruppe über die Farbenvielfalt in dieser Landschaft. Nicht weit davon entfernt steht Trullo No. 4, dieses mal erinnert er den tiger an ein Bienenhaus mit seinen naturbelassenen Steinen aus dem Jahre 1743 und damit der älteste Trullo.

Durch einen Kirchbaumhain wandern wir und rasten kurz vor Uffhofen auf einem schönen Sonnenplatz. Die Kirche mit dem alten Friedhof gibt besinnliche Einblicke bevor wir über den letzten Feuchtweg, für heute, Flonheim erreichen.

Einkehr im Sportvereinshaus bzw. gibt es Kaffee und Kuchen direkt nebendran bei einer Gewerbeschau. Da kann man seine Fettverteilung prüfen lassen, erhält interessante Ernährungstips und bei einem Gewinnspiel gibt es sogar eine Nacht mit Michael Schumacher zu gewinnen, oder war da der tiger etwas übermütig und der Wunsch Vater des Gedankens? Die Frau von Tupperware meldet offensichtlich gleiche Wünsche. Na gut, dann halt nicht.

Für diese Trulliwanderung (Trulli = Plural, Trullo = Singular; Turm mit rundem Grundriss, nach oben spitz zulaufend), die hilfreichen Erläuterungen von M. und seine gute Wegführung bedanken wir uns ganz herzlich. Es gab nicht nur viel zu sehen und zu erfahren, es gab auch viel zu lachen.

Eine Frage bleibt noch zu klären, lieber M.: Wie können wir uns die passende Trulla zum Trullo vorstellen?

Erlebt und beschrieben vom kleinen tiger

Bilder Matthias