Heiße Wanderung im Jammertal


4. August 2003


Sonntag Morgen irgendwo in Frankfurt. Während sich die meisten auf einen Badetag im Freibad oder an einem Baggersee vorbereiten treffen wir die Vorbereitungen für die wohl heißeste Wanderung des Jahres und auch der Streetmillboys überhaupt. Der Wetterbericht hat Temperaturen bei nahe 40 Grad angesagt. Wer tut sich denn so was an, wird sich nun der geneigte Leser fragen!? Na ja, eigentlich ist es ja auch ein Wahnsinn, seinem Körper die Strapazen von etwas über 20 Kilometern Wanderung zuzumuten. Aber mal unter uns. Regnet es, beschwert sich jeder, ist es kalt, beschwert sich jeder und jetzt beschwert sich auch jeder, wenn die Sonne scheint. Wenn wir nun nach diesem Faktor entscheiden, ob wir eine Wanderung durchführen, dann würden wir die Wanderschuhe wohl gar nicht mehr schnüren können. Der Winter zu kalt, der Sommer zu warm, der Herbst zu unbeständig und der Frühling? Ja, da würde es gehen, aber viele Touren würden da nicht gerade in den Zeitplan passen.

Also ab ins Auto und auf nach Nassau. Dort warten bereits einige am Bahnhof des romantischen Städtchens.

[ Nassau: Stammburg Nassau (1120), teilweise restauriert. Unterhalb der Ruine der Burg Stein (1234) mit dem Denkmal für den preußischen Staatsmann und Reformer Karl Freiherr vom und zum Stein (1757-1831). Steinisches Schloß von 1621. Ardelsheimer Hof, Fachwerkhaus von 1800. Evangelische Pfarrkirche (10./12. Jh.). Kettenbrücke (1828-1830).]

Nachdem uns auch die letzten gefunden haben, kann es auch los gehen. Und natürlich gleich zu Beginn die erste Strapaze, denn wir müssen vorbei am Freibad (neidische Blicke der 17 gewillten Wanderer nach rechts ins Tal) an der Bundesstraße 260 den Weg steil nach oben, womit wir auch bereits die erste Steigung ohne Ausfälle hinter uns gebracht haben. So, nun aber schnell in den schattigen Wald und eine leichte frische Brise genießen. Vorbei an einigen Fischteichen hinein ins Kernbachtal und immer weiter der Bezeichnung L bis nach Singhofen, wo wir erschöpft den Schatten eines Gebüsches suchen und dort auf eine andere Wandergruppe treffen, die wir bereits schon einmal im Wald getroffen haben, ihnen dann aber mittels einer längeren Rast ausreichend Vorsprung verschafft haben.



Rast im Wald



Nach dieser etwas unbequemen Pause, denn im Schatten gibt es dort leider keine geeignete Rastmöglichkeit geht es weiter hinab ins Dörsbachtal (Jammertal). Wobei irgendwie alle Täler, die wir durchwandert haben, Jammertäler waren. Irgendeiner hat es immer gemacht. Das man im Jammertal ist, erkennt man ganz leicht an einem Gedenkstein für österreichische Soldaten, der für im Jahr 1795 200 hier gestorbene österreichische Soldaten rechts des Weges auftaucht.

Meine Recherchen im Internet haben ergeben, dass das Jammertal (Name nach einer Legende) das Dörsbachtal ist und eigentlich nur so heißt, weil eben diese 200 gestorbenen Soldaten in diesem Tal wohl furchtbar gejammert haben. Aber vielleicht kann mir dies ja mal jemand besser erklären!?



Kleine Verschnaufpause



Von hier aus ist es nun nicht mehr weit, dafür aber umso anstrengender bis zum Kloster Arnstein. Ein mächtiger Anstieg erst auf einem Waldweg, kurze Zeit später auf einer Teerstraße führt uns hinauf zum Kloster Arnstein, das leuchtende, mächtige Kloster und seine leicht barockisierte Kirche. Man kann dort wunderbar lange Blicke auf das Lahntal werfen.

[Kloster Arnstein: Schon 1139 wurde die Burg Arnstein von Graf Ludwig III. zu einer Abtei des Prämonstratenserordens umgewandelt. Ludwig lebte als Laie mit dem Orden, seine Frau Guda wurde Einsiedlerin. 1208 wird die Klosterkirche - heute auch eine beliebte Wallfahrtsstätte - eingeweiht. Im 18. Jahrhundert wurden Abtei-Gebäude als Lazarett benutzt, deswegen findet sich der Soldatenfriedhof in der Nähe. 1802 müssen die letzten Ordensleute im Zuge der Säkularisation gehen, von 1869 bis 1871 sind aber wieder Benediktiner in Arnstein. Seit 1919 gehört das Kloster dann der "Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und der Ewigen Anbetung", dort auch "Arnsteiner Patres" genannt.]

Nach der eindrucksvollen Klosterbesichtigung nun auf zum Endspurt der etwas müde gewordenen Wanderer. Auf breiten Asphaltweg müssen wir immer wieder Platz machen für die rasanten Fahrradfahrer und schlurfen müde zurück nach Nassau. Bevor wir unseren Ausgangspunkt erreichen, geht es, wie sollte es anders sein, noch einmal eine kurze Strecke heftig nach oben, bevor wir uns den Laufwind hinab nach Nassau um die Nase wehen lassen können. Hinter uns liegt eine Strecke von etwas über 20 Kilometer.


Wo bleiben die anderen denn?



Nach der Wanderung dann die traditionelle Abschlusseinkehr, die diesmal nicht so recht eine sein sollte, denn das Lokal, welches wir ausgewählt haben, hat seinen Köchen wegen eines Fussballspieles frei gegeben und so bleibt die Küche kalt. Na ja, die Getränke waren es wenigstens auch. Einige lange Gesichter wegen der kalten Küche gibt es nun auch, aber kein Wienerwald weit und breit. Gibt es den überhaupt noch?

Fazit der Tour: Wanderung durch die Einsamkeit durch schöne Täler, mit schattigen Wäldern, vorbei an vielen Bächen und einigen Fischteichen. Die Tour ist ganz einfach nachzuwandern, denn es gibt nur zwei Markierungen, die man immer gut im Blick hat. Von Nassau aus über die Brücke, rechts an der B260 die Straße nach oben, bis man die Straße im Mühlbach sieht. Diese rechts hinein und von nun an orientiert man sich an der Markierung L bis zum Kloster Arnstein. Hier hat man bereits den Großteil der Strecke hinter sich gebracht. Nun noch der Beschilderung nach Hollerich folgen (weißes Andreaskreuz). So erreicht man über Feldwege wieder den Ausgangspunkt der Tour, die B260 und folgt dieser auf bekannten Weg hinunter nach Nassau.

Einkehrmöglichkeiten gibt es nur sehr wenige während der Tour. Direkt am Weg ist nichts, es empfiehlt sich also in jedem Falle, ausreichend Verpflegung mitzunehmen. Schöne Rastmöglichkeiten findet man oft an Bächen. Wir sind um 11:30 Uhr los gewandert und waren kurz nach fünf wieder zurück in Nassau. Diese Zeit sollte man also auf jeden Fall einrechnen.

Hotti

Bilder von Ulli