Brunch / 150. Wanderung


16. November 2003


Wanderer

Wanderer zwischen den Zeiten
Du und ich
ich und Du.
Während wir vorwärts schreiten
gewinnen wir Tatkraft und Ruh.

Wanderer auf eignen Wegen
lachend mit leichtem Schritt
wandern bei Sonne und Regen -
Vorgänger wandern still mit.

Männer wie uns gab es immer
hier und sonst auf der Welt.
Hoffe dass männliche Liebe
unsere Jahre erhellt.

Jürgen Friedenberg


Dieses Gedicht gab unser Mitgründer Jürgen bei unserem Brunch anlässlich der 150. Wanderung gleich zu Beginn der Veranstaltung zum Besten.

41 Teilnehmer hatten sich zu unserem Brunch im Golfpark Idstein eingefunden. Das war mal so ein ganz anderes Bild. Sonst immer den in den meist klobigen Wanderschuhen, diesmal in feinstem Leder und zartem Stöffchen. Den Rucksack gegen ein Handtäschen, den Wanderstock gegen edles Geschmeide ausgetauscht. Anstelle der üblichen Stullen gab es Lachs und Schinken vom Büffet, der Tee aus der Thermoskanne floss als Kaffee, na ja, auch aus der Thermoskanne. Doch den Sekt zu Beginn des Brunches, denn gibt es noch nicht bei unseren Wanderungen. Wäre doch eine Idee für das nächste Jahr, gell!

Einmal anders wie üblich wurden wir während der ganzen Zeit bedient, mussten uns nicht um schmutzige Brotdosen kümmern, denn zwei nette Froileins kümmerten sich um uns. Und so ein gepolsterter Stuhl unter dem Popo ist doch was anderes, wie so eine Iso-Matte auf dem Baumstamm.

Alles in allem eine sehr gemütliche Umgebung, die sich uns da bot. Da sollte es keinen mehr wundern, dass sich eine so große Runde gesellige zu diesem Event zusammen gefunden hat.


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Gleich zu Beginn die erste Hürde für den "Clubmanager", die Begrüßungsrede vor 41 Streetmillboys, und das mir, der gar nicht gerne vor so vielen Leuten plaudern mag. Anstatt vieler Worte fiel das ganze recht kurz aus. Jürgen erzählte uns nun, wie es überhaupt dazu kam, dass es unsere Gruppe gibt.


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Am 14. März 1997 trafen in der Straßenmühle in Wiesbaden einige Willige zusammen, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, einen Stammtisch für Schwule zu gründen. Zusätzlich zum Stammtisch sollte es noch einige Wanderungen geben. Heute ist es ein Kreis von Personen geworden, der sich jede Woche zum Stammtisch trifft und auch noch alle 3 Wochen Sonntags mit einer enormen Beteiligung los zieht, um den Rheingau, den Taunus oder sonstige Ziele im Rhein-Main-Gebiet unsicher zu machen. Aus den damals etwa acht Leuten auf der Adressliste haben im Laufe der Jahre über 80 Personen den Weg in die Adressliste gefunden. Davon sind heute 50 aktive Streetmillboys. Aufgrund verschiedener Umstände, die da zum Beispiel Umzug, Partnerschaft, etc wären, mussten sich einige verabschieden, denn wer kann schon von Flensburg, Hamburg, München oder Obergünzburg zu einer Tageswanderung anreisen? Zum Ausgleich dafür können wir bei fast jeder Wanderung wieder einen neuen Wanderer begrüßen, dem es so gut bei unseren Touren gefällt, dass es meist nicht bei einer Wanderung bleibt.

Hier ein Zitat eines ehemaligen: Eine so nette und unkomplizierte Gruppe mit einer so angenehmen Freizeitbeschäftigung habe ich nicht mehr gefunden.

Durch diese Dynamik lebt unsere Gruppe. Für den Organisator bedeutet dies, dass die Arbeit, die er da leistet, der richtige Weg war und er diesen auch genau so weiter gehen wird.



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Aber nun wieder zurück zu den Schnittchen. Doch halt, bevor es diese gab, gab es zu meiner großen Überraschung noch ein Geschenk, womit ich wirklich überhaupt nicht gerechnet habe. An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an alle für den Kugelschreiber und die Schokoküsse, denn als "Beinahe-Fetischist" von Schreibgeräten genau das richtige für mich. Und es kam noch heftiger, als Jürgen mir die goldene Wandernadel verlieh. Ich habe mich sehr über diese Anerkennungen gefreut.

Jetzt gab es aber wirklich und endlich die Schnittchen! Das Büffet durfte gestürmt werden und wurde es auch. Ab hier gibt es eigentlich nicht mehr viel zu berichten. Die Stimmung war sehr gut, und es war die Gelegenheit für alle, mal wieder mit Leuten zu reden, die man schon länger nicht mehr gesehen hatte. Kein Wunder, denn bei den Wanderungen sind ja schließlich nicht immer alle dabei, doch diesmal waren fast alle da. Diese Veranstaltung sollte etwas besonderes werden und ist es auch dank aller Beteiligten geworden.



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Und wie geht es weiter? Na so wie in der Vergangenheit! Alle 3 Wochen werden wir los Wandern, wenn auch im nächsten Jahr in meist noch nicht von uns erwanderten Gebieten, nachdem wir 2003 doch sehr oft am Rhein unterwegs waren.

Hotti

Bilder von Peter F.