Von Limburg nach Niederbrechen


10. März 2002



Da soll mal einer sagen, dass man bei den Wanderungen der Streetmillboys nichts erleben kann. Bei unserer Wanderung am 10.03.2002, der 119. insgesamt übrigens, seit Gründung der Gruppe vor 5 Jahren im März, ging es gleich auf dem ersten Kilometer so los, dass wir kaum ein paar Schritte gelaufen waren und schon den Notarzt rufen mussten. Nein, für keinen von uns 20 Wanderern. Auf der Lahn lag ein Ruderer quer im Boot und die Mitfahrer des Bootes baten darum, den Notarzt zu rufen. Nachdem wir dem Hilfsdienst versichern konnten, dass die Meldung auch glaubhaft ist, hörten wir kurz darauf auch schon das Horn. Was passiert war, das weiß keiner, denn die Rettung erfolgte einen Kilometer weiter vorne und wir gingen weiter,






Ach ja, da fehlt doch noch was. Unser Treffpunkt war in Limburg und die Wanderung war ausgeschrieben von Limburg nach Villmar und weiter nach Niederbrechen. Das Wetter an diesem Sonntag war einfach genial. Die Sonne schien, kaum eine Wolke am Himmel, die Gruppe mal wieder vom feinsten. Ein paar nette neue Wanderer in unserer Runde konnten wir auch begrüßen. Das erste Stück der Wanderung führte uns an der Lahn entlang bis nach Dietkirchen. Dort überquerten wir mittels einer Brücke die Lahn und liefen Richtung Wald. Die erste Rast folgte nach etwa 45 Minuten Wanderung, weil man von der ausgewählten Raststelle eine tolle Sicht auf den Dietkirchener Dom hatte, eine Vorbildung des Limburger Doms. Nach diesem Entwurf wurde der Dom zu Limburg erbaut.







Nach der Rast ging es weiter Richtung Wald. Irgendwie hatte der Sturm ein Schild vom Baum weg gepustet, so dass einmal verkehrt abbiegen einen Umweg von etwas über einen Kilometer und etwas Erstaunen mitbrachte, warum wir denn nun einen Acker umlaufen mussten. Doch der richtige Weg ließ nicht lange auf sich warten und weiter ging es





Den ersten Engpass erreichten wir nach einer Weile. Ein paar Kilometer, wo wir wie die Gänse in Reih und Glied hintereinander tappeln mussten. Links ging es mächtig hinunter, aber eine traumhafte Sicht auf die Lahn, zumindest für die, die mal einen Blick nach unten wagten. Über diesen Pfad erreichten wir den nächsten Ort, nämlich Runkel. Hier liefen wir aber oberhalb des Ortes und genossen nur die Sicht auf den Ort.

So, und da war es auch Zeit für die nächste Rast, nachdem wir durch eine Baustelle gelaufen waren. Noch eine Premiere, Baustelle hatten wir auch noch nicht. Auf der Friedhofsmauer des Kriegsgräberfriedhofes von Runkel konnten wir etwas länger verweilen, auch schon deshalb, weil diesmal jeder einen Platz bekommen hatte.








Gut gestärkt ging es eine halbe Stunde später weiter in ein Teil, wo uns direkt am Eingang ein Warnschild gebot, den Weg nicht zu verlassen und vor dem Steinschlag warnte. Alles ging gut, keiner fiel, weder Stein noch Streetmillboy. Wir gelangten über diesen Pfad in ein Tal, dass bei der Vorwanderung total nach Wildschwein gerochen hatte, diesmal aber gar nicht roch. Übrigens auch wieder ein sehr schönes einsames Tal. Klein aber fein. Jetzt wieder ein Berg nach oben, und schon hatten wir ein Feld erreicht.





Hier roch Pebbels Beute im Gebüsch, die Ohren spitz und hingehorcht. Da raschelt doch was. Aha, drei Rehlein, na denen saus ich doch mal nach. Hatte ja nur ganz wenig Fleischwurst. Und Herrchen ist auch beschäftigt, der kriegt gar nicht mit, wenn ich mich eben mal auf den Weg zum guten Rehbraten mache. Papa und dazugehöriger Freund standen im Tale und waren so mit sich beschäftigt, dass sie die Panik der restlichen Gruppe gar nicht mitbekamen. Erst als es zu spät war und Pebbels schon wieder den Rückzug ohne Beute angetreten hatte, fanden sie den Rest der Gruppe wieder und wunderten sich über die Aufregung.







Nach ein paar weiteren Kilometern erreichten wir das König Konrad Denkmal, von wo aus wir unser nächstes Etappenziel sehen konnten, was Villmar hieß. Von hier oben hatten wir einen tollen Blick auf die Lahn. Doch diesen Platz wählten wir nun nicht zur Rast aus, sondern es ging nach kurzem Verschnaufen weiter nach Villmar. Die Organisatoren entschieden sich dafür, den Wanderern das Naturdenkmal Villmars nicht vorzuenthalten. Man muss so was ja mal gesehen haben. Doch dazu ein paar Zeilen später. Also, erst mal der Abstieg herunter nach Villmar, durch den Ort und hin zu Europas einzigster komplett aus Marmor gebauten Brücke. Übrigens sieht man ihr nicht an, was sie Wert ist, aber so ist Villmar eben.

Der nächste Stopp wurde uns für den Rest des Tages zum Verhängnis, Um zum Naturdenkmal zu gelangen, mussten wir am Bahnhof vorbei. Wo ein Bahnhof, da sind Schienen nicht weit. Wo Schienen sind, da gibt es häufig einen Bahnübergang. Natürlich auch im Weltdorf Villmar. Und was ist, wenn eine Wandergruppe die Schienen queren muss? Natürlich geht die Schranke herunter, kurz bevor man die Gleise überqueren will. Bei uns war das nicht anders. Na ja, wenigstens war es nicht unser Zug, der dann noch drei Minuten dort stand. Schranke zu, Zug stand. Fahrgäste hätten keine Chance mehr gehabt, weil Schranke zu. Genial gelöst. So kommt die Bahn zu Fahrgästen.







Na ja, irgendwann ging die Schranke dann doch noch auf und wir konnten weiter zu unserem Naturdenkmal. Keiner unserer Teilnehmer wusste, was wir denn überhaupt da wollten, aber wären wir nicht da gewesen, dann wäre es bestimmt auch nicht recht. Wenigstens wollte keiner Rasten. Die Umgebung des Naturdenkmals übrigens die reinste Katastrophe. Baracken, Müll, keine schöne Gegend. Schnell weg, hin zum Marktplatz und nun Bergauf bis hin zur Kapelle.

Jetzt kam der nicht vorgelaufene Teil der Tour. Aber Stop, erst noch mal Rast an der Kapelle. Die Pause war notwendig, um Wandererausfälle auf den letzten Metern zu vermeiden. Noch trennten uns etwa fünf Kilometer vom Ziel. Und los ging es. Ab jetzt nur noch durchs Feld auf nach Niederbrechen.

Klar, jetzt folgen die hätten wir nicht... -Aufzählungen. Also hätten wir nicht so lange vor der geschlossenen Bahnschranke in Villmar gestanden, dann hätten wir ohne Probleme den Zug von Limburg nach Niederbrechen erreicht. Die Wartezeit fehlte uns, aber wenigstens sahen wir den Zug noch aus sicherer Entfernung. Spontan entschlossen wir uns, das hiesige Eiskaffee zum Verzehr eines Getränkes aufzusuchen. War auch ganz leer, doch wer hatte das Schild gelesen, wir müssen draußen bleiben. Damit waren Flix und Pebbels gemeint. Rainers Nachfrage, ob wir denn nicht ausnahmsweise herein kommen durften, wurde abgelehnt. Na ja, wer braucht auch zwanzig Zahlende Gäste. In der heutigen Zeit hat man das doch gar nicht mehr nötig. Im nächsten Monat bleibt der Laden zu. Reich genug geworden, gell.



Weil uns der Einlass verwehrt wurde, ging es weiter zum Hauptbahnhof von Niederbrechen. Das Chaos des Fahrkartenkaufes brachten wir relativ einfach hinter uns, wenn es auch schwierig ist, beim Aufruf Gruppen zu je 5 Personen zu bilden, das ganze in die Tat umzusetzen. Werden wir aber bei der nächsten Wanderung üben, indem wir uns dann in zweier- Reihen aufstellen und schön brav an den Automaten heran treten. Aber wir haben es geschafft. So eine Wartezeit am Bahnhof ist natürlich auch nicht schlecht, denn da hatte ich Gelegenheit, noch die beiden Mehrtagestouren unter die Leute zu bringen. Der Restliche Rest ist schnell ausgeplaudert. Zugfahrt nach Limburg. Unter Lebensgefährlichen Umständen den Bahnhofsplatz überquert, da fahren ja Autos, hin zum Lokal. Ein mit Bierdeckeln um sich schmeißender Kellner, etwas unfreundlich, dafür das Essen gut. Bezahlen, Tschüß sagen und Abreise. Fazit dieser Tour: Schöne Strecke, Naturdenkmal war überflüssig, aber ansonsten sehr nette Strecke von ca. 23 Kilometern. Relativ einfach zu laufen, wenn auch die meisten am Ende ganz schön heftig gestöhnt haben. Aber noch so eine Wanderung und die Probleme sind weg. Wäre schön, wieder mal in gleicher Gruppe eine Tour zu laufen und würde mich freuen, wenn sich die neuen Wanderer nicht von der ersten Tour abbringen lassen würden, weiter mit zu laufen. Diesmal hat alles gestimmt. Die Stimmung, das Wetter, die Truppe und die Strecke.

Hotti

Bilder von Ulli