Die Wanderung zwischen Schaumburg und Burg Weinsberg


10.Juni 2001


Ein Bericht von Ting



Am Start Als ich am 10. Juni Vormittag zu Thomas fuhr, um mit ihm zusammen von Ulli abgeholt zu werden, nieselte es ein wenig. Auf der Fahrt nach Schaumburg witzelten wir über das "Standard-Wander-Wetter", das uns wieder mal bevorstand. Die Fahrt nach Schaumburg kam mir sehr lang vor, aber der Anblick auf der Burg, die auf einer Anhöhe majestätisch thront, entschädigte die Strapaze. Wir waren die Ersten. Langsam versammelte sich die gesamte Gruppe von etwa 18 Leute. Es hatte mittlerweile aufgehört zu nieseln. Es war angenehm kühl, eigentlich ein ideales Wanderwetter.


Wald und Wiesen

 

 

Fast pünktlich setzte die Gruppe in Bewegung, aber bereits nach 50 Meter geriet die Bewegung wieder ins Stocken. Nach einer kurzen Konsultation der Karte wurde die Wanderung fortgesetzt. Wir gingen Richtung Südosten, durch verschiedene Wälder: dichte, relativ naturbelassene Wälder direkt hinter der Burg, junger Nadelwald, ausgewachsener Forst, immer gerade aus. Der Fußmarsch war sehr angenehm. Der Weg war beinahe matschlos. Es gab fast überhaupt keine Steigungen. Das Waldgrün erquickt die Augen. Der Geruch von Gras und Fichtennadel erfrischt die Lunge. Seit unserer Ankunft in Schaumburg hatte es nicht mehr geregnet, stattdessen ein angenehm kühler und bedeckter Himmel. Manchmal trafen wir ein Leerstreifen für Brandschutz oder Strommasten, wo hohes Gras wächst, die geradezu zum Hinlegen einladen. Am Rand der Wege blühen Fingerhüte.

 

 

Im Gänsemarsch...

 



Nach einem starken Abwärtshang verließen wir die südöstliche Richtung. Wir waren bereits über zweieinhalb Stunden unterwegs, und bislang fast immer in die eine Richtung gelaufen. Die erste obligatorische Quengeleien kamen auf. Selbst die Tourenplaner wurden etwas unsicher, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren, als unvermittelt nach einer Biegung unweit von uns entfernt die angebliche Ruine Weinsberg, die für den Namen aber extrem gut erhalten zu sein scheint, zum Vorschein kam.

 

Rast am Wegrand

 

Zeitgleich kam auch die Sonne durch einigen wenigen Wolkenlücken und wärmte uns auf. Nach einer etwas längeren Pause auf einigen Baumstämme, die wie Holzbänke aufgeschichtet geradezu zu einer Pause eingeladen hatten, wobei ich fast einschlief, setzten wir wieder in Bewegung. Schon wieder gab es Schwierigkeiten mit dem Weg, diesmal schien die Karte nicht ganz zu stimmen. Die Tourenplaner wählten trotzdem den richtigen Weg. Wir kamen zuerst an einem Steinbruch vorbei, bei dem nach Anzeigetafel kräftig geblasen wurde (oder immer noch wird; -), dann an eine ehemalige Schwefelmine. Der Weg ging diesmal steil hoch, wobei der Pfad manchmal nur eine ausgetretene Spur auf einem Grasfeld mitten zwischen dichten Wäldern war. Als ich auf diesem Pfad ging, konnte ich manchmal fast das Gefühl empfinden, wenn ein Waldelf lautlos über seinem Domain streifte.

 

Nach etwa eine Stunde verließen wir den Wald. Durch das verschlafene Dorfchen Schönborn und über einem herrlich duftenden Feld und ein Stückchen Straße kamen wir in Bärbach an. Die Gemäuer des alten Hofes war eine Augenweide, die die Romantiker unter uns buchstäblich entzückte. Über dem Dorf machten wir eine weitere, etwas längere Pause am Waldrand. Es war mittlerweile bereits fünf Uhr. Hotti gab bekannt, dass wir die geschätzten 16 km bereits um zwei Kilometer Überschritten hatten. Das war das erste Mal, seit dem ich mitwandere, dass wir nicht schneller vorangekommen waren als geplant. Kurze Pause

 

Erst mal was für den Durst... Das hält ja kein Hund aus...

 

An dem merkwürdigsten Ort in Deutschland vorbei, den ich jemals vorbeigekommen war, der Ortschaft Wüstung, bestehend aus drei Häuser und eine recht stattliche, gotische Kirche, vertieften wir uns wieder im Wald. Zu meiner Freude war der Wald wieder dicht bewachsen und der Weg schmal und eng. Kurz bevor wir zum Dorf Schaumburg hinabstiegen, entdeckte Andreas eine Blindschleiche auf dem Weg. Obwohl ich schon oft von dieser bedrohten Tierart gelesen habe, war das der erste, den ich jemals zu Gesicht bekam.

 

Offenbar hatten vielen schon gedacht, als wir durch das Dorf Schaumburg schritten, dass es nur noch wenige Schritte war, um zu den Autos zu gelangen, so war es wohl auch zu erklären, warum die letzte Strecke, mit einem großen Umweg um die Burg herum und der heftigsten Steigung der Wanderung, mit so vielen Mühe empfunden wurde und so viele Beschwerden hervorgerufen hatte.

 

Nur noch diesen Berg hoch

 

Eigentlich wäre damit die Wanderung schon beendet und wir hätten dann zu dem, etwas weniger anstrengenden Einkehren kommen können, was auch prompt von der Hälfte der Wanderer in Anspruch genommen wurde, wenn Hotti und Rainer nicht noch eine außerordentliche Besichtigung des Schlosses Schaumburg für uns arrangiert hätte. Wenn man von Außen bereits die Größe des Schlosses bewundern konnte, so offenbarte sich das Ausmaß des Gebäudekomplexes erst, wenn man mitten drin Raum durch Raum streifte. Die leeren Räume regten zu Fantasien an. So wurde spontan die Gründung eines Fonds beschlossen, der zum Ziel hatte, das Schloss zu einem schwulen Paradies umzuwandern, in dem von Folterkammer bis zu königlichen Himmelsbett nichts fehlen sollte. Die Kulisse stimmte ja jedenfalls bereits. Eine Besteigung des Turms über die zweitfieseste Wendeltreppe, die ich jemals betreten hatte (die erstfieseste war die des Ulmer Münsters, falls jemand es interessiert), wurden wir mit einem herrlichen Blick auf die Wälder des Taunus belohnt.

 

Im Schloßhof nach der Besichtigung


Zum Schluss nahmen wir gemeinsam in Balduinstein in einem schönen Restaurant direkt am Ufer von der Lahn unseren Abendessen ein. Auf der Rückfahrt fing es auf einem Mal Wolkenbruch und Sintflutartig an zu regnen. Als wir in Mainz ankamen, war der Regen auch schon wieder vorbei und wir konnten trockenen Fußes heimgehen. Na, will jemand sich noch über das Wetter beschweren?

 

Ting

Bilder von Ulli